
Präambel:
Das folgende Selbstverständnis beruht auf dem Konsens mehrerer Personen, die an Indymedia in Österreich mitarbeiten. Es wird darauf hingewiesen, dass es sich bei Indymedia um ein Projekt handelt, das für sich einen Prozess darstellt, der mitunter Wandlungen unterworfen ist.
Was ist "Indymedia in Austria"?
"Indymedia in Austria" ist eine für alle Menschen offene, unabhängige, nichtkommerzielle und multimediale Plattform für alternative Berichterstattung zu aktuellen sozialen und politischen Themen, Ereignissen, Vorfällen, etc.
Dabei beschränkt sich Indymedia in Austria nicht ausschließlich auf Österreich-spezifische Themen, sondern versucht - einem dezentralen Ansatz folgend - grenzüberschreitend zu berichten und zu informieren.
Eine tragende Rolle spielen dabei die Prinzipien des "open postings" sowie eines generell offenen und transparenten Zugangs, wodurch Indymedia Austria zu einer Plattform für all jene kritischen Meinungen wird, die in den zunehmend vereinheitlichten und monopolisierten Mainstream-Medien keinen Platz mehr finden.
Beeinflusst vom internationalen Indymedia-Netzwerk und der aktuellen politischen Situation in Österreich versucht Indymedia in Austria, über verschiedene Medienbereiche hinweg zu vernetzen, um multilinguale, unabhängige politische und soziale Inhalte zu verbreiten. Es sollen keine anderen Medien ersetzt werden, vielmehr wird versucht, eine Vernetzung anderer Medien zu fördern, ergänzend zu wirken und Vielfalt zu erzeugen. Indymedia will bestehende Strukturen miteinander vernetzen und unterstützen, sowie mit bestehenden Angeboten in aktiven Austausch treten. Dabei soll insbesondere auf die spezifische Situation unabhängiger Medien eingegangen werden.
Indymedia in Österreich möchte sich keinesfalls nur auf das Internet als Kommunikations- bzw. Partizipationsmedium beschränken, sondern so viele Medienkanäle wie möglich nutzen. Neben einer monatlichen Radiosendung, erscheienen auch immer wieder (zumeist anlassbezogen) Indymedia-Printausgaben die eine breitere Öffentlichkeit erreichen sollen [alte Version: So ist für die Zukunft auch geplant, die Inhalte von Indymedia Österreich als Printausgabe und Radiosendungen an eine breitere Öffentlichkeit zu bringen.]
Indymedia ist ein laufender Prozess, der ständig zu diskutieren ist. Im Grunde besteht Indymedia aus 2 Teilen:
1) Indymedia ist eine technische Plattform.
2) Indymedia ist jede Person, die an Indymedia in irgendeiner Form beteiligt ist.
Warum Indymedia in Austria?
Mainstream-Medien in Österreich sind gekennzeichnet durch eine immer stärkere Vereinheitlichung und Monopolisierung. Die Veränderungen der Rahmenbedingungen haben in den letzten Jahren in vielen Bereichen alternative Berichterstattung erschwert und die Medienkonzentration gefördert. Viele Leute haben keine Möglichkeit sich zu äußern.
Dadurch kommt es (für eine Demokratie) zum äußerst gefährlichen Umstand, dass mittels gezieltem Verbreiten oder Vorhalten von Informationen Menschen manipuliert werden, weil die Berichterstattung der Mainstream-Medien sie Geschehnisse nur mehr aus einem bestimmten - von bestehenden Systemen gewollten - Blickwinkel betrachten lässt.
Indymedia versucht diesem Umstand entgegenzuwirken, indem es die in jenen Mainstream-Medien vernachlässigten Informationen hörbar macht, allen Personen die Möglichkeit gibt, selbst zum Sender zu werden und damit den herrschenden Meinungskonsens in Frage stellende Berichterstattung von unten ermöglicht.
Darüber hinaus versteht sich Indymedia in Austria als Teil des weltweiten Indymedia-Netzwerks, das sich ausgehend von den Anti-WTO-Protesten in Seattle im November 1999 bereits auf viele US-amerikanische, europäische sowie außer-europäische Städte bzw. Länder erweitert hat und den jeweiligen Kontexten entsprechend eigene Schwerpunktsetzungen vornimmt.
Ziel von Indymedia in Austria ist es, durch die Berichterstattung das Geschehen über das es berichtet zu beeinflussen und somit - im Sinne gelebter Basisdemokratie - Teil einer Bewegung für "eine bessere Welt" zu sein.
Die Geschichte von Indymedia in Österreich:
In der Phase um die Konstituierung der schwarzblauen Regierung in Österreich im Feber 2000 bot die Massenware Internet die Möglichkeit Widerstand zu organisieren. Die Politisierung sowohl durch die als auch innerhalb der Anti-Regierungs-Bewegung zeigte sich auf der Strasse ebenso wie auf zahlreichen Bildschirmen, in E-Mails, Alternativ-Zeitschriften, Flugblättern, Videos, freien Radios usw.
Wesentlich für die Gründung eines Indypendent Media Centers (IMC) in Österreich waren neben den Antiregierungsprotesten vor allem die Eindrücke rund um die Proteste gegen die IWF/WB-Tagung in Prag im September 2000, wo viele Leute Erfahrungen im alternativen Medienbereich sammeln konnten. Rund um die Proteste gegen das WEF in Salzburg Anfang Juli 2001 wurde das Konzept von Indymedia erstmals in Österreich getestet und at.indymedia.org als Open-Publishing-Medium gestartet.
Schon im Vorfeld des Wirtschaftsforums wurde Repression in Form manipulativer Berichterstattung sichtbar. Diese Medienhetze muss als Teil einer Kriminalisierung gesehen werden, deren Ziel es war, kritische Stimmen bereits vorab zu diskreditieren. Unabhängige Berichterstattung erschien daher mehr als notwendig.
Doch die Anti-WEF-Aktivitäten waren lediglich der erste Fokus der Berichterstattung von Indymedia in Österreich - nicht zuletzt diese Ereignisse werden die weitere Arbeit bzw. Ausdehnung des Projekts prägen.
Prinzipien von Indymedia Österreich:
Offener Zugang:
Indymedia sieht sich als offene Plattform, an der sich jeder Mensch beteiligen kann. Grundlage dafür stellen einerseits das Prinzip des "open postings" und andererseits die generelle Möglichkeit zur Partizipation am gesamten Prozess dar. Somit kann Jede und Jeder Teil von Indymedia werden und den Informationsfluss sowie die Entwicklung des Projekts mitgestalten. Vor diesem Hintergrund kann Indymedia nie mehr sein, als die Summe der Stimmen, Wörter und Bilder der Beteiligten Menschen.
Meinungsvielfalt:
Wichtiger Grundsatz von Indymedia in Austria ist der Anspruch, viele verschiedene Positionen nebeneinander zuzulassen sowie verschiedene Sichtweisen darzustellen. In diesem Zusammenhang kommt der Kommentierbarkeit der einzelnen Beiträge eine wichtige Rolle zu.
Dezentralität:
Indymedia folgt einem dezentralen Ansatz, demzufolge es keine "Zentren der Macht" gibt, von denen aus Informationen verbreitet werden. Bedingt durch den offenen Zugang kann [Ergänzung: theoretisch] jeder Mensch an jedem Ort der Welt, Teil von Indymedia werden.
Hierarchiefreiheit:
Indymedia Österreich hat den Anspruch der Hierarchiefreiheit. Allerdings müssen wenn Hierarchien und Ausschlussmechanismen kritisiert werden, auch jene Widersprüche kritisch reflektieren werden, die in den eigenen Strukturen, also von den Beteiligten selbst, produziert werden. Indymedia wird immer auf eigene Widersprüche stoßen und Kritik ausgesetzt sein. Die Auseinandersetzung damit ist Teil sozialer Prozesse innerhalb nichthierarchischer Strukturen, die schon durch die Nutzung des Mediums Internet an ihre Grenzen stoßen; auch dann, wenn vielen Leuten ermöglicht wird, ihre Meinung kundzutun. Ebenso muss Sprache selbst als Ausgrenzungsmechanismus - wenn auch nicht als unüberwindbarer - gesehen werden.
Transparenz:
Sämtliche Bereiche von Indymedia sollen für jeden Menschen so transparent wie möglich gemacht werden. Damit soll vermieden werden, dass es innerhalb des Prozesses zu Machtkonzentrationen kommt. Alle Beteiligten haben das Recht zur Partizipation an ALLEN Prozessen und Entscheidungen rund um Indymedia in Austria.
Nicht-kommerziell:
Indymedia ist ein Nicht-kommerzielles Medium. Kommerzielle Inhalte (Werbung, etc.) haben auf Indymedia Österreich keinen Platz.
Integrativ:
Indymedia in Österreich versteht sich als integratives Medium, das allen Menschen unabhängig ihrer Herkunft und ihres sozialen Umfeldes als Plattform für unabhängige Berichterstattung zur Verfügung steht. Indymedia distanziert sich jedoch ausdrücklich von allen Formen von Rassismus, Antisemitismus und Sexismus, sowie allen Arten von Diskriminierung und politischer Hetze.
Darüberhinaus bekennt sich Indymedia in Austria zu den "principles of unity", die auch den anderen IMCs weltweit zugrunde liegen.
Inhalte von Indymedia Österreich:
Bedingt durch den offenen Zugang werden die Inhalte von Indymedia durch die Beteiligten gestaltet. Innerhalb des durch das oben genannte Selbstverständnis gesteckten Rahmens, werden Artikel grundsätzlich nicht zensuriert. Das Prinzip des "open postings" bedingt auch, dass Meinungen immer (auch in der Mittelspalte) Meinung des/der jeweiligen Autors/Autorin ist und nicht einer wie auch immer gearteten Gruppierung. Die Verantwortung für die veröffentlichten Beiträge liegt daher immer beim Autor / bei der Autorin selbst und kann nicht auf andere Personen übertragen werden.
Die Übernahme von Meldungen aus Mainstreem-Medien ist nicht erwünscht!
Der Bereich der Mittelspalte wird durch eine ebenfalls für jede Person offene "Redaktionsgruppe" gemäß der editorial policy betreut. Hierbei werden hauptsächlich Postings aus der rechten Spalte zusammengefasst. Allerdings können auch andere Themen im eigenen Ermessen aufgegriffen werden.
Welche Themen zentral werden sowie zukünftige Schwerpunktsetzungen bleiben derzeit noch offen, folgen jedoch der vorläufig festgelegten editorial policy. Indymedia ist immer Teil jener Bewegung, über die es berichtet.
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