Mit der Renaissance rechtsextremistischer und neokonservativer Kräfte in Europa wird auch das Recht auf die Selbstbestimmung über den weiblichen Körper weiter in Frage gestellt. Am Samstag, dem 1. Juni 2002 marschierten Abtreibungsgegner von Human Life International (Pro Life) mit Kerzen durch Wien - begleitet von Protesten für das Selbstbestimmungsrecht für Frauen.
Seit einiger Zeit betreiben die AbtreibungsgegnerInnen einen regelrechten Terror vor Abtreibungskliniken. Sie kauften unter anderen jene Wohnung auf, in der sich die MAIRO-Klinik im 2. Wiender Gemeindebezirk auf. Ziel der selbsternannten "LebensschützerInnen" ist es, Kliniken zu schliesse. Der für die Veranstaltungen der AbtreibungsgegenerInnen extra aus den USA angereiste Guru Phillip Reilly wird in Flugblättern von Pro Life vorgestellt als "Der Mann, der in 7 Jahren 37 Abtreibungskliniken in New York geschlossen hat!"
Mit welchen Methoden die Abtreibungsgegener in den USA vorgehen, wird nicht erwähnt. Dort werden regelmäßig Ärzte, die Schwangerschaftsabbrüche vornehmen, angegriffen und auch ermordet. In Österreich beschränken sich die AbtreibungsgegnerInnen vor allem daruaf, Frauen eine Klink betreten wollen zu terrorisieren und mit ihrer Propaganda - wie etwa kleinen Föten aus Plastik - zu überhäufen, was die Kliniken dazu veranlasste, Sicherheitspersonal zu engagieren, um ihre Klientinnen zu beschützen.
In den letzten Monaten kam es regelmäßig zu Protesten gegen die Aufmärsche der AbtreibungsgegenerInnen vor der Mairo-Kritik. Dietmar Fischer, der Chef von "Pro Life" in Österreich verklagte vor kurzem die Frauensprecherin der
SLP wegen eines Artikels, der die Machenschaften Fischers und seiner Kumpanen darlegt. Die SLP sieht dies als weiteren Teil der Kampagne von "Pro Life", das Frauenrecht auf den eigenen Körper einzuschränken.
Für den
01.06.2002 hatten "Lebensschützer(Innen)" von "Pro Life" ihre AktivistInnen zu Gebeten, Geburtstagsfeiern und einem Kerzerlmarsch vor die Abtreibungsklinik am Fleischmarkt in Wien aufgerufen. Die Veranstaltung von "Pro Life" verlief nicht ohne Gegendemo und der Performance
"Die Engelmacherin".
Folgender Bericht ist der
TATblatt-Homepage entnommen:
Das ganze begann um etwa 19.00 Uhr vor der Dominikanerkirche, in der sich AbtreibungsgegenerInnen zu einer Messe eingefunden hatten. "Hochwürden" H. Kramar wandte sich in salbungsvollen und eindringlichen Worten an die vornehmlich weibliche ZuhörerInnenschaft, welche sich zwecks Gegenkundgebung vor der Kirche eingefunden hatte, während gleichzeitig eine Engelmacherin eine quasi öffentliche Abtreibung vornahm. Von hinten tauchen plötzlich drei Tote auf (sie stellten sich später als Uited Aliens heraus), zwei mit Sensen, einer mit Hammer und Sichel.
Ca. 150 Leute machten sich dann auf zur Klinik am Fleischmarkt, wo H. Kramar nochmals eine Ansprache hielt, in der die anwesenden Frauen nochmals aufgefordert wurden, brav als Hausfrau und Mutter an den Herd zurückzukehren - der gute Jörg wurde schon für sie sorgen. Auch die Engelmacherin trat nochmal in Aktion. Alles war sehr humoristisch, hatte aber einen sehr ernsten Hintergrund: in der Domonikanerkirche fand eine Messe der AnhängerInnen von "Pro Life" statt, welche mit äußerst agressiven Methoden das Recht auf Abtreibung - und somit das Selbstbestimmungsrecht von Frauen - bekämpfen. Dann hieß es: warten, warten, warten, denn die AbtreibungsgegenerInnen sollten noch in einem Fackelzug zur Klinik am Fleischmarkt ziehen. Die Polizei, zahlreich vertreten, hatte inzwischen eine Pufferzone, gebildet aus zwei Reihen Sperrgitter, aufgestellt.
Um ca. 20.45 war es auch denn soweit: etwa 100 AbtreibungsgegnerInnen tauchten singend und betend und mit Kerzen in den Händen auf. Die TeilnehmerInnen der Gegenkundgebung "begrüßten" sie mit lauten Parolen und pfeifend. Die AbtreibungsgegnerInnen hatten diesmal auch drei oder vier Kameraleute dabei, welche das Geschehen für ihre Zwecke dokumentieren sollten. D.h., es wurden GegenkundgebungsteilnehmerInnen gefilmt und fotografiert. Vereinzelt wehrten sich die AbtreibungsgegnerInnen aber, bildlich festgehalten zu werden. Ihr Ziel, vor der Klinik zu singen und zu beten, konnten sie allerdings nicht erreichen, da sich auf diesem Platz ja die GegnkundgebungdteilnehmerInnen befanden. Nachdem die AbtreibungsgegenerInnen nach ungefähr einer Viertelstunde abgezogen waren, löste sich auch die Gegenkundgebung rasch auf.
Im Zuge der Demo wurde ein Demonstrant von einem Motoradfahrer leicht verletzt und es kam zu Behinderungen und Einschüchterungen von unabhängigen JournalistInnen durch "Po-Life"-AktivistInnen.
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Audio-Berichte:
-
Abtreibungsgener behindern und bedrohen Journalisten
-
Militante Abtreibungsgegner wollten marschieren
Die
Bilder sind den Websetien der
United Aliens, der
Ceiberweiber und
clandestion.at entnommen.
Ein kommentierter Bildbericht findet sich
hier.
Weitere Bilder bei
wienerfotografie.
Termin:
"Wie radikale Abtreibungsgegner bekämpfen?" - Diskussion über die weitere Kampagne gegen Pro-Life-Terror, zur Verteidigung der MAIRO-Klinik und gegen Klagen von Pro-Life
Montag, 24. Juni 2002, 19:00 Uhr
Amerlinghaus, Stiftgasse 8, 1070 Wien
Weitere Informationen:
Ceiberweiber: Prolife ist wieder aktiv
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FRONTAL UND DURCH DIE HINTERTÜR... über die Methoden der organisierten Abtreibungsgegnerschaft
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TATblatt: Verfolgung, Morddrohungen, Räumungsklage. Militante Abtreibungsgegner terrorisieren Klinik, Personal und PatientInnen Rechtsvertretung: Kanzlei Böhmdorfer-Gheneff
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SLP-Kampagnenseite: Kontra "PRO LIFE" - gegen die Vertreibung der Mairo-Klinik!
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Berichte von Demonstrationen gegen die AbtreibungsgegnerInnen 2001 (jeden letzten Samstag im Monat) in dr TATblatt-Chronologie
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Rosa Antifa Wien: Selbstbestimmung für Frauen!
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TATblatt: Frauenministerin Herbert Haupt: "...kann Abtreibung nicht die alleinige Entscheidung der Frau sein."
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Jungle World: Death Day in Buffalo. In der US-kanadischen Grenzregion werden regelmäßig Ärzte, die Schwangerschaftsabbrüche vornehmen, angegriffen
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Jungle World: Demonstration gegen strikte Abtreibungsgesetze in Polen
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Eichhorn/Grimm (Hg.) Gender Killer. Texte zu Feminismus und Politik
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Links:
Ambulatorium am Fleischmarkt
Infos für ungewollt Schwangere
Schweizerische Vereinigung für Straflosigkeit des Schwangerschaftsabbruchs