Grafik: Logo von Gladio
Jetzt "sei eine Liste mit den Namen von 250 Personen erstellt worden, die mit der anarchistischen Szene in Verbindung gebracht werden" (sic!). Massenverhaftungen werden folgen. Die europäischen Massenmedien
unterstützen ausnahmslos diese Kampagne - trotz aller Offensichtlichkeit.
Diese neue Kampagne korrespondiert mit der "11-9-Terror-Strategie". Beispiel Hamburg:
Wahlkampf-Inszenierung der PRO der letzten Tage.
"Am Beispiel Italien wird diese Vorgehensweise deutlich. Die CIA zeigte sich besorgt über den stetig wachsen Einfluss der kommunistischen Partei Italiens PCI, welche 1972 bei den Wahlen 27% der Stimmen erreichte. Der Plan war einfach: Durch linksterroristische Attentate sollte die öffentliche Meinung und damit die Regierungsrichtung nach rechts "gedreht" werden. Tatsächlich starben durch Bombemattentate 1972 drei Polizisten. Im November 1973 explodierte eine Bombe an Bord eines Argo16 - Flugzeugs. Beide Attentate wurden kommunistischen Gruppierungen zugeschrieben. Die "Rote Brigarden" Italiens galten von Beginn an von Geheimdiensten unterwandert und gesteuert." (
Quelle)
In den letzten Monaten wurden in Italien -und mittlerweile auch verstärkt ausserhalb- zahlreiche Briefbomben verschickt. Alle Briefbomben sollen aus der Region um Bologna stammen. Wie auch bei vergangenen Anschlagsserien, trifft es merkwürdigerweise innerhalb Italiens oft Peronen, die für Berlusconi und die Rechte unbequem sind (Beispiel:
Präsident Prodi). Ausserhalbn Italiens gingen Briefbomben zum Beispiel an Europol und die Europäsische Zentralbank. Wie bei den meisten anderen Anschlagsserien auch werden sofort Linke und Anarchisten als Täter ausgemacht. Die gleichgeschaltete italienische Presse, welche sich fast vollständig im Besitz des Medienmoguls und Regierungschefs
Berlusconi befindet, beginnt augenblicklich mit einer Hetz-Kampagne. Beweise existieren nicht oder sind offensichtlich gefälscht. Erklärungen wie "Sie vereinige die extremsten Verfechter der Anarchie und des Marxismus-Leninismus" oder die Nennung von frei erfundenen Gruppennamen (die inhaltlich keinen Sinn ergeben) verstärken die Annahme einer konstruierten Kampagne.
Seit einer Woche beteiligen sind auch deutsche Medien an dieser Kampagne. Erklärungen der italienischen Regierungen werden ungefragt übernommen oder gar mit eigenen Erfindungen noch ausgeschmückt (z.B.:Springer Presse, Berliner Zeitung, ...). Von daher kommt eine Ausweitung der Anschlagsserie auf ganz Europa den deutschen Medien nicht ungelegen.
Beispiel 1 :
Artikel in der Welt
Beispiel 2:
"Terroralarm in Europa"
Bereits anlässlich der Proteste gegen den G8-Gipfel in Genua liess die neuen Regierung um Mussolini-Verehrer Berlusconi die "Strategie der Spannung" umsetzen. Mehrere Briefbomben explodierten und sollten die sozialen Bewegungen und globalisierungskritischen Netzwerke unter Druck setzen.
Artikel:
Celler Loch" in Genua,
Eine Neuauflage der Spannungsstrategie. Nach Genua wurde in Venedig ein Anschlag verübt, der ebenfalls Stimmung gegen die Opposition machen sollte:
Bombenanschlag in Venedig inszeniert?. Schon vor dem G8-Gipfel in Genua behauptete Berlusconi, es gäbe "Verbindungen zwischen NoGlobals und Bin Laden". Es war gar die Rede davon, daß der G8-Gipfel mit ferngesteuerten Flugzeugen angegriffen werden solle. Auf diese Weise konnte die Auseinandersetzung in Genua auf eine militärische Ebene gehoben werden.
Die in Genua benutzte Strategie gegen die Protestbewegung wurde schon vor der Machtübernahme Berlusconis eu-weit vorbereitet.
Am 19. März 2002 wurde dann der Wirtschaftsexperte und Berater des Arbeitsministers Marco Biagi ermordet. Verantwortlich sollen laut italienischen Behörden angeblich die seit 1981 aufgelösten "Roten Brigaden" sein. In den Jahren vor ihrer Auflösung war die Gruppe nachweislich von gleich mehreren Geheimdiensten unterwandert worden (siehe:
92 Patronenhülsen, ein Balletttänzer und die CIA). Die Handschrift der Aktion war die der Leute rund um den Faschisten Fini und den Medienzar Berlusconi, welche in der
Organisation P2 (Propaganda Due) waren, die in den 70ern ähnliche Anschläge organisierte.
Der Anschlag wurde 4 Tage vor einem geplanten Generalstreik und Großdemonstration der sozialen Bewegungen verübt. Ganz offensichtlich galt das Attentat der Einschüchterung der Bewegungen (siehe:
Willkommener Tod in Bologna). Dennnoch nahmen 2 Millionen teil (
Artikel bei Indymedia.de) - das war die bis dahin größte Demonstration in der Geschichte der italienischen Republik.
Einige Monate später wurde "Michele Landi, ein Informatiker, der mit der Polizei bei den Ermittlungen gegen die Mörder von Sergio D'Antona und Marco Biagi zusammengearbeitet hatte, in seinem Haus erhängt aufgefunden. Den polizeilichen Ermittlungen zufolge sind einige Einzelheiten und Hinweise unvereinbar mit der von der Regierung behaupteten Selbstmord-Hypothese ... Auch deswegen, weil Michele Landi einige Wochen vor seinem Tod einigen Freunden gesagt hatte, er habe Angst, weil er erschütternde Hintergründe aufgedeckt habe." (
Quelle)
Artikel dazu:
Übersetzung eines Kommentars von Umberto Eco in der römischen Tageszeitung La Repubblic und
Terror in Europa von ceiberweiber.at.
Auch hier springen Medien und Regierungen anderer Staaten mit auf: In Deutschland versuchte die Bundesanwaltschaft mit hilfe der deutschen Medien im Mai eine RAF-Neugründung zu erfinden
"Bundesanwaltschaft konstruiert neue RAF". Allerdings misslang dieser Versuch, da das gesellscghaftliche Klima noch nicht "weit genug" war.
Rückblick: Strategie der Spannung, P2, Gladio und Berlusconi
In der ursprünglich vom CIA konzipierten Strategie wurden nicht nur linke und anarchistische Gruppen von Polizei- und Geheimdienstagenten zu Mord und Terror angestachelt. Polizeiagenten, meist Faschisten, führten auch selbst unzählige Terroranschläge durch, für die dann Anarchisten und Autonome verfolgt und oft jahrelang unschuldig eingesperrt wurden. Netzwerke wie P2 und Gladio waren in Italien federführend.
Das Netzwerk
P2 (Propaganda Due) wurde 1969 vom Faschisten Licio Gelli gegründet. Gelli war als bereits bei den "Schwarzhemden" Mussolinis aktiv. Später wurde er Verbindungsoffizier der Nazis und SS-Obersturmführer. In der P2 waren rund 2500 führenden Personen der italienischen Gesellschaft. Dabei waren Politiker, Geheimdienstler, Faschisten, Mafiosis, Wirtschftsvertreter, Kirchenobrigkeiten, Journalisten, Polizisten usw. Der Mafiosi Berlusconi hatte damals die Mitgliedsnummer 1816. Ziel der Organisation, so das Ergebnis der Untersuchungen sei der Umsturz der verfassungsmäßigen Ordnung durch einen "colpo bianco", einen weißen Staatsstreich. Der Code für diese Pläne hieß "Plan zur demokratischen Wiedererneuerung".[Literatur:
Feldbauer: "Von Mussolini bis Fini"]
"Gelli bezeichnete die P2 als Freimaurer-Loge, obwohl die Ziele dieser kriminellen Vereinigung nichts mit dem Freimaurertum zu tun hatten, ja ihr diametral entgegengesetzt waren." (siehe
hier)
"Bereits beim ersten Anschlag der Spannungsstrategen am 12. Dezember 1969 in der Mailänder Landwirtschaftsbank auf der Piazza Fontana (16 Tote, über 80 Verletzte), den neofaschistische Terroristen durchführten, war ein Agent provocateur am Werk, der die Spuren nach links lenken sollte. Der als Geheimdienstagent angeworbene Neofaschist Mario Merlino gründete einen anarchistischen Zirkel, für den er den Ballett-Tänzer Pietro Valpreda anwarb, der danach mit falschen Zeugenaussagen als einer der Organisatoren des Attentats präsentiert wurde.
Aus der langen Kette der bekannt gewordenen Fälle ein weiterer: Der Neofaschist und Angehörige der NATO-Gruppe "Gladio", Gianfranco Bertoli, führte im Mai 1973 einen Bombenanschlag auf das Mailänder Polizeipräsidium durch (vier Tote, 52 Verletzte). Dabei sollte auch Ministerpräsident Rumor getötet werden, der jedoch zu spät eintraf und so dem Attentat entging." (
Quelle)
P2 ist anfangs der 80er Jahre ausserdem für etliche Morde verantwortlich (politische Gefangene fielen bei Polizeiverhören aus dem Fenster (nachzulesen auch bei Dario Fo´s "Zufälliger Tod eines Anarchisten"). Morde gabs auch in den eigenen Reihen; zum Beispiel an ihrem Finanzjoungleur, dem Bankier Roberto Calvi.
Das blutigste Attentat der Nachkriegsgeschichte war der Anschlag auf den Bahnhof von Bologna am 2. August 1980. 85 Menschen wurden getötet und mehr als 200 verletzt. Auch hier konnte die Führungsspitze der P2 als verantwortlich ausgemacht werden. Auch beim Anschlag auf das Münchener Oktoberfest im Jahr 1980 führten einige Spuren nach Italien.
Aufgedeckt wurde P2 im Jahre 1981 - im selben Jahr erklärten die Roten Brigaden "rein zufällig" ihre Auflösung. 1982 wurde P2 für aufgelöst erklärt. Obwohl in vielen Fällen (besonders beim Anschlag auf den Bahnhof von Bologna) die Verantwortlichen überführt werden konnten, gab es nie Verurteilungen. Gekaufte Zeugen und eine korrupte Justiz verhinderten dies. Statt dessen gelang es den Rechten und der Regierung zehntausende Oppositionelle ins Gefängnis zu bringen und so die sozialen Bewegungen Italiens zu zerschlagen.
Kenner der Szene gehen davon aus, dass einzelne Strukturen erhalten blieben und heute als "P3" weiter im Untergrund operieren. (Artikel von Feldbauer "Aldo Moros Tod und die Geheimdienste", Jungle World 12.5.98)
1990 wurde eine weitere -mit der P2 vernetzte- Organisation aufgedeckt, die europaweit agiert: die
Operation Gladio
"Operation Gladio" ist ein Terror-Netzwerk, das unter dem Namen "Gladio" (Kurzschwert) bekannt wurde. Gladio ist der Nato unterstellt und verfügt seit den fünziger Jahren über ganz Westeuropa umspannende paramilitärische-nachrichtendienstähnliche Organisationsstrukturen mit dem Ziel, im Kriegsfall Sabotage- und Terrorakte zu planen und durchzuführen. Allerdings sah dieser "Auftrag" in der Praxis etwas anders aus. Besonders in Italien beteiligte sich Operation Gladio an Anschlägen im Rahmen der "Strategie der Spannung". Am 17. Oktober 1990 gab der italienische Ministerpräsident Andreotti zu, daß "Gladio" noch immer arbeitet. Drei Tage später bestätigte er in einem Regierungsbericht die Existenz einer Untergrundorganisation namens "Gladio" und stellte fest, daß ähnlich Strukturen sowohl in den NATO-Partnerländern als auch in neutralen Staaten wie etwa Österreich mit Kenntnis der Regierungen existieren würden. Bis heute ist Gladio -neben weiteren Netzwerken- in Europa aktiv. Übrigens hat die bundesdeutsche "Organisation Gehlen" (von Nazis 1945 gegründet und 1956 zum BND verschmolzen) Gladio mit aufgebaut und geheime Kampfgruppen ausgebildet. (
weitere Informationen)
Die Ereignisse in Genua und bei weiteren Gipfeln, sowie Anschläge in Spanien, Türkei und UK erscheinen mit diesem Wissen in einem anderen Licht. So konnte eine
WDR-Reportage 2002 nachweisen, daß Finis Leute Faschisten aus ganz Europa nach Genua einluden, um sich unter die Demonstrationen zu mischen und bei der Konstruktion des "Black Block" behilflich zu sein.
Im Rahmen eines Artikels bei Indymedia ist es nicht möglich, einen Überblick über die Aufstandsbekämpfungstrategien und geheimen Netzwerke der Rechten zu geben. Nach dem 11.September hat sich das Ganz ja noch einmal wesentlich ausgeweitet. Die genannten Strukturen dürften von der politischen Entwicklung seit dem Sommer 2001 wesentlich profitiert haben. So sind Protagonsten der ursprünglichen "Strategie der Spannung" heute in Italien im Besitz der Regierungsgewalt und fast aller Massenmedien. In anderen Ländern (Spanien, Türkei, Griechenland, Russland usw.) sieht es nicht wesentlich anders aus).
Daher hier einige ungeordnete Links, für die, die sich etwas mehr mit dem Thema beschäftigen wollen:
Die geheime Terrororganisation der NATO - Gladio
Dossier zur "Strategie der Spannung"
Infos über den Mafiosi Berlusconi
In dürren Blättern säuselt der Wind - über das Konstrukt des "Black Block"
History Repeats von Gipfelsturm
Gladio oder die Rache Moros
Die Gladio-Nazi-Connection
Drogen, Kontraguerilla und Nazis - Gladio wütet weiter in der Türkei
Gladio- Die Geheime Terrororganisation der Nato
Ausserdem: "Genua" - Buch von Dario Azzelini, in dem er ausgehend von den blutigen Ereignissen in Genua beim G8-Gipfel 2001 die Entwicklung der sozialen Bewegungen Italiens und der rechten Terror-Netzwerke beschreibt. Das Buch ist im Verlag Assoziation A erschienen. Eine Webseite dazu konnte ich leider nicht finden.