
Die Aktivitäten des rechtsextremen Bund Freier Jugend (BFJ) häufen sich in letzter Zeit in Oberösterreich. Infostände, Flugblattaktionen, haufenweise grelle Aufkleber und Störaktionen finden mittlerweile regelmässig statt. Hiermit soll auf die Gruppierung BFJ ein bisschen näher eingegangen werden.
Der BFJ (Bund freier Jugend) entstand 2003 aus der sogenannten AFP-Jugend (AFP = Arbeitsgemeinschaft für demokratische Politik, mehr dazu weiter unten). Neben der Herausgabe der "Mitgliederzeitung" Jugend Echo erstrecken sich die Aktivitäten des BFJ auf "Sonnwendfeiern", groß angelegte Flugblattaktionen, Lesungen, Vorträge, gemeinsames Kampftrinken und Reisen zu deutschen Neonazis oder von diesen veranstalteten Demonstrationen. Als "Grundpfeiler" seiner "Aktivitäten" nennt der BFJ "Zusammenhalt & Kameradschaft", "Einsatzbereitschaft & Tapferkeit" sowie "Ehrlichkeit & Treue"." (Zitat
hier nachzulesen).
Jährlich veranstaltet der BFJ einen sog. „Tag der volkstreuen Jugend“ mit Referenten und Referentinnen aus dem deutschen
NPD-Umfeld und österreichischen Rechtsextremisten. Die letzte dieser Veranstaltungen fand im März 2004 in einem Gasthof in Wels statt, wo sich zwischen 100 und 130 „nationale Menschen“ einfanden. Als Vormittagsprogramm wurde der
Dichterstein in Offenhausen besucht. Die Treffpunkte für diese „Tage der volkstreuen Jugend“ werden vom BFJ immer erst am Tag selbst bekannt gegeben. So wurde eine Gegenkundgebung dieses Jahr in Steyr abgehalten, viele Kilometer vom eigentlichen Ort entfernt.
Seinen rechtsextremen Charakter zeigte der BFJ durch Leugnung der Kriegsschuld im Zusammenhang mit der
Wehrmachtsausstellung und dem 8. Mai als „Tag der totalen Niederlage aller Deutschen“.
Provokationen des BFJ wurden bei der Antifa-Demonstration am 17. April 2004 in Braunau und im Rahmen des 2. Austrian Social Forum (ASF) Anfang Juni 2004 in Linz registriert (Text und Fotos dazu
hier). Bei einem Fussballturnier der Sozialistischen Jugend im Juli 2004 fand sich auch plötzlich ein uniformiertes Team des BFJ ein, das mitspielen wollte; nach langem Hin und Her schloss die SJ die BFJ-Mannschaft aus, worauf diese – offenbar gut vorbereitet - mit Megaphon und Flugblättern das Turnier störte (siehe
hier).
Die Zeitung „Jugendecho“ des BFJ verbreitet antisemitische Aussagen und agiert hart an der Grenze des NS-Verbotsgesetzes, das vom BFJ als „Gesinnungsterror“ bezeichnet wird. Der BFJ ist Teil eines internationalen Netzwerkes von rechtsextremen Gruppierungen und weist enge Kontakte zur Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD), dem Störtebecker-Netzwerk und anderen Gruppen auf und war 2003 am Pressefest der neonazistischen „Deutschen Stimme“ in Sachsen beteiligt.
Die
AFP wurde 1963 als rechtsextreme ”Denkfabrik” gegründet, gibt die mit dem bezeichnenden Kommentar ”Keine Lektüre für Bonzen und Parasiten!” versehene Zeitschrift ”Kommentare zum Zeitgeschehen” heraus und gilt nach einschlägigen Erkenntnissen des DÖW als Schnittstelle zwischen rechtsextremen Gruppen und der FPÖ. Die AFP war zuletzt mit ihrer 38. Politischen Akademien im Oktober 2003 in Riegersburg (Steiermark) in Erscheinung getreten. Diese „Akademien“ haben sich seit ihrer Entstehung im Jahre 1966 als internationale Treffen von Rechtsextremen aller Schattierungen aus dem ganzen deutschen Sprachraum erwiesen und dienen offensichtlich der Koordinierung rechtsradikaler Politik.
Die Liste von Referenten und Referentinnen bisheriger Tagungen liest sich wie ein ”Who is who” aus dem ”Handbuch des österreichischen Rechtsextremismus” wie einige Beispiele zeigen: Günther Deckert, Robert Dürr, Helmut Golowitsch, Christina Grund, Helmut Kowarik, Walter Marinovic, Andreas Mölzer, Herwig Nachtmann, Günter Rehak, Horst Jakob Rosenkranz, Adolf von Thadden, Kriemhilde Trattnig,
Pedro Varela, Robert Verbelen.
links:
Die Sozialistische Linkspartei (
SLP) startete dieses Jahr eine Kampagne gegen den BFJ im Grossraum Linz. Infos über diese Kampagne bzw. Termine findet ihr
hier.
Nähere Infos zum BFJ und AFP findet ihr hier:
http://www.doew.at
postings zum Thema BFJ auf at.indymedia.org:
Nazitreffen am 8. März in Haid/OÖ
Bilder von der Demo in Steyr
Rechtsextreme veranstalten "Info"-Abend in Wien
Antifaschistische Demonstration in Haid/Ansfelden am 8. März
8.märz."Tag der volkstreuen Jugend" Nazitreffen/OÖ