Das Gutachten ist jedenfalls mehr als umstritten. Zur Erinnerung: Nach dem Tod von Marcus Omofuma erstellte der Wiender Gerichtsmediziner Reitter ein Gutachten, in dem ebenfalls eine Lungenfettembolie diagnostiziert wurde. Sowohl ein anerkannter Gutachter aus Bulgarien und der später eingesetzte Obergutachte Brinkmann aus Deutschland kamen zu anderen Ergebnissen. Sie diagnostierten eindeutig
Erstickungstod.
Das Gutachten zu Edwin Ndupus Todesursache wird ebenfalls in Zweifel gezogen. Der Falter befragte den Chirurg Wilfried Wehner aus Wilhelmshafen, Deutschland, der sich seit Jahrzehnten mit dem Thema Lungenfettembolie auseinandersetzt. Dieser stellt das Gutachten in Zweifel. Für ihn ist unklar, wie sich ein mit einem Buttermesser "bewaffneter" Häftling selbst derart schwere Verletzungen zuziehen kann, die zum Tod führen. Und weiter: "Aber fettembolische Symptome erklären normalerweise die Todesursache nicht."
Für die Justizministerin kein Anlass zum Zweifel, dass das Vorgehen der Beamten korrekt war. Das Obduktionsgutachten habe "zweifelfrei ergeben, dass kein Zusammenhang zwischen der Behandlung des Häftlings durch die Justizwache und seinem Tod besteht." Sie "sprach den Beamten ihre Verbundenheit und Anerkennung für den Einsatz, aber auch ihr Mitgefühl aus." Die Täter wurden in zu Kaffe und Kuchen in Justizministerium geladen, wo sie
von der Ministerin geehrt wurden und eine Dankesurkunde überreicht bekamen. Und weil es ein äußerst schwerer Einsatz war, überreichte Miklautsch elf Beamten 2000 Euro pro Person als Belohnung, wie Matin Standl, Sprecher der Justizministerin dem Falter erklärte: "das ist unglaublich viel für unsere Verhältnisse."
Für die International Association for Integrative Action (IAIA) ist dies Sache nicht so klar und
fordert eine unabhängige Autopsie. Diese Forderung wird ebenfalls mit im Rahmen einer Demonstartion am Sonntag, 17. Oktober 2004 in Krems/Stein gefordert. Weiters soll mit der Demonstration auf die unhaltbaren Zustände in der Justizanstalt Stein hingewiesen werden, die mehr als überlegt ist. Hier der Aufruf zur Demonstration:
Wir fordern Aufmerksamkeit!
In diesem Land sterben Menschen auf brutalste Weise und werden, trotz gegenteiligem Wunsch und Protestes seitens besorgter Menschen und Organisationen, ohne unabhängige Untersuchung, von den Verantwortlichen sang- und klanglos verscharrt.
Am 17. Oktober organisieren wir deshalb um 13:30 eine Demonstration vom Friedhof in Krems / Donau (Wienerstrasse 87 Tor 2 3500 Krems / Donau) zur
Justizanstalt Stein (Steiner Landstrasse 4 3500 Krems / Donau), wo wir auf einen der brisantesten Fälle der letzten Zeit – den Tod von Edwin Ndupu
(Nigeria) – hinweisen wollen.
Laut den uns bisher vorliegenden Informationen wurde er von bis zu 20 Justizwachebeamten in voller Montur zu Tode geprügelt, nachdem seine Zelle in der Justizanstalt Stein unter Einsatz von Tränengas gestürmt worden war.
Wir protestieren gegen die unzumutbaren Zustände in den Gefängnissen!
Wir protestieren gegen den rassistischen Staatsapparat!
Wir wollen die Wahrheit ausgraben und verlangen eine unabhängige Autopsie sowie eine Aufklärung der Ereignisse.
Lasst uns ein Zeichen setzen und zahlreich vereint mehr Respekt gegenüber allen Menschen einfordern!
Aussagekräftige Plakate / Transpis / Lärminstrumente sind erwünscht!
Mitfahrgelegenheit & Treffpunkt für den Demobus (Hin- & Rückfahrt):
Sonntag 17. Oktober 11:30
vor dem Franz-Josefsbahnhof (Julius Tandlerplatz 3 1090 Wien)
Reservierung für den Bus bitte am
Donnerstag 14. Oktober 14:00 – 18:00 unter 01 523 64 75
oder unter
schaufel (at) utanet.at
Mehr Infos zu Edwin Ndupu und zur Demo unter:
no-racism.net
Koalition for Action
Weitere Informationen: Zum Tod eines afrikanischen Gefangenen.