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Krieg & Frieden : Soziale Kaempfe

ESF in London: kurzer Rueckblick

Das ESF ging mit etwa 25000 TeilnehmerInnen zu Ende. Die Grossdemo am Sonntag wurde in den Massenmedien als Antikriegsaktion gesehen und nicht als ESF- Veranstaltung. Zum zweiten Mal wurde Polizei beim ESF eingesetzt, sie verhaftete zwei Aktivisten von der Buehne weg. Fast alle sind sich einig, dass das naechste ESF 2006 in Griechenland besser werden soll, und die Dominierung durch Parteien und parteiaehnlichen Gruppierungen zurueckgedraengt werden muss. Spannend waren die vielen autonomen Raeume parallel zum ESF, zahlreich besucht und ein voller Erfolg.
Bereits waehrend der Demonstration wurden AktivistInnen, die vom autonomous space Beyond ESF (Jenseits vom ESF) von der U-Bahn Station Kings Cross zur Demo stroemten, von der Polizei eingekesselt. Es kam zu mehreren Verhaftungen. Auf der Abschlusskundgebung wollten einige AktivistInnen zur Buehne, und den TeilnehmerInnen vom Polizeieinsatz und von den Verhaftungen berichten, da sich die OrganisatorInnen nicht dazu aeusserten. Eine OrdnerInnenkette von Stop the War Coalition schirmte die Buehne ab und liess niemanden durch. Sie waren sehr aggressiv, deshalb kam es zu einer Rangelei.

Die OrganisatorInnen riefen die Polizei herbei, welche quer durch den abgeschirmten Backstage-Bereich schritt und einen Aktivisten von indymedia an Armen und Beinen durch den Backstage-Bereich zerrte. Der indymedia-Aktivist hatte versucht, zwischen den AktivistInnen und den OrdnerInnen zu vermitteln, und ist den dort stehenden OrganisatorInnen von SWP (Socialist Workers Party) bekannt, da er bei der ESF Organisation fuer die Uebersetzungstechnik mitmacht. Die Polizisten zerrten ihn an eine Mauer, umzingelten ihn und drueckten ihn brutal mit dem Kopf nach unten zu Boden. AktivistInnen eilten herbei und schrieen besorgt: “Ihr zerdrueckt ihn!” Die PolizistInnen nahmen eine schwere Verletzung des Verhafteten bewusst in Kauf. Noch mehr Polizeikraefte draengten sich unsanft in die Menge und schoben die Leute zur Seite, damit der Verhaftete weggeschleift werden konnte.

Einem weiteren Aktivisten, einer der bekannten MitorganisatorInnen von Beyond ESF, gelang es, auf der Buehne ueber die Verhaftungen am Kings Cross zu berichten. Als er die Treppe von der Buehne herunterstieg, wurde er von der Polizei sofort verhaftet.

Insgesamt wurden neun Aktivisten verhaftet, sie sind zum Glueck wieder frei. Ein weiterer Polizeieinsatz erfolgte am Freitag, als etwa 200 bis 300 AktivistInnen den Hauptveranstaltungsort des ESF, Alexandra Palace (ein Palast hoch oben auf einem Huegel im Norden Londons, nicht wirklich zentral gelegen) besuchten und gegen Ken Livingstone protestierten, Buergermeister von London und Mitglied der kriegsfuehrenden Labour Party. Die AktivistInnen kritisierten allgemein die Art wie das ESF 2004 organisiert worden war, ein Prozess dem es in vielfacher Weise an Transparenz und Demokratie mangelte. Sie verlasen eine Stellungnahme von Babels, den freiwilligen UebersetzerInnen und DolmetscherInnen. Sie beschwerten sich, dass einigen DolmetscherInnen Visas fuer Grossbritannien verwehrt wurden, und deshalb vor allem Freiwillige aus arabischsprachigen Laendern der Zutritt zur Festung Europa verweigert wurde. Ebenfalls bemaengelt wurde der Einsatz von kommerziellen Firmen auf dem ESF, beispielsweise bei der Uebersetzungstechnik und der Webseite.

Die OrganisatorInnen des ESF reagieren relativ kritikresistent. Die verhafteten AktivistInnen seien Mitglieder des black block, meinte Alex Callinicos, und wollten nur die Reden stoeren. Ein Assistent von Ken Livingstone behauptete in einem Leserbrief an die Zeitung Guardian, die protestierenden AktivistInnen im Alexandra Palace haetten aus rassistischen Motiven gehandelt, weil es bei der Podiumsdiskussion mit Ken Livingstone zufaellig um Antirassismus und Antfaschismus ging. Wenigstens hat der Guardian selbst die Kritik der AktivistInnen am ESF-Prozess relativ genau beschrieben.
 
 

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