Das Schnitzelland und der 26. Oktober.
Der 26. Oktober, seit 1967 Österreichs Nationalfeiertag (vormals "Tag der Fahne") ist der Jahrestag des Verlassens der letzten Besatzungssoldaten der Alliierten und des Beginns der "immerwährenden Neutralität" (siehe Staatsvertrag) im Jahr 1955.
Heute, fast 5 Jahrzehnte später wird er von den wenigstens Menschen wirklich ernst genommen. Die meisten Menschen in Österreich wissen nicht, was genau an diesem 26. Oktober passiert ist und warum gefeiert wird. Viele sind einfach froh, wenn sie einmal nicht schuften gehen müssen. Andere sind vom rot-weiß-roten Fahnengeschwenke richtig angetan.
Ein Fixpunkt und gleichzeitig Tiefpunkt am Nationalfeiertag ist die traditionelle Heeresschau am Wiener Heldenplatz. Die Republik Österreich, die -zumindest an diesem Tag offiziell- auf ihre Neutralität so stolz ist, präsentiert ihr neuerstes, und zum teil auch in die Jahre gekommenes Kriegsgerät. Hundertausende schaulustige PatriotInnen folgen dem Ruf zur "festlichen Begehung" des wichtigsten Tages im Leben eines Patrioten/einer Patriotin.
"Die Konstruktion einer nationalen Identität dient dazu, Unterschiede zwischen den Menschen, gegensätzliche Interessen und reale Konflikte mit dem Kitt des nationalen WIR zuzudecken."
Von der nationalen Einheit zur totalen Zerstreuung
Inspiriert vom
Radioballett auf der Wiener Kärntnerstraße am 20. Sep 2004 und anderen gleichartigen Aktionen der freien Hamburger Radioruppe
LIGNA möchte eine Gruppe von Menschen, per Radioballett die Verhältnisse am Heldenplatz zum tanzen bringen und Österreich zerstreuen.
"Ein Radioballett ist keine Versammlung, sondern eine Zerstreuung. Es tanzt nicht als Massenornament. Es ist nicht gereiht, es bildet keine Figur, sondern existiert in der simultanen, aber zerstreuten Geste. Jede und jeder handelt als Individuum, der Assoziationseffekt entsteht durch die Gleichzeitigkeit. Das Radioballett behindert die PassantInnen nicht, es irritiert. Die Radiowellen infiltrieren den Raum, die Gesten machen diese Infiltration sichtbar. Die nationale Einheitlichkeit, die Logik des Volksfestes, die Grenze zwischen geordneten und ungeordneten, erlaubten und verpönten Gesten wird in Frage gestellt. Dadurch wird die Situation verändert, die Ordnung des nationalen Festes gestört. Statt in Reih und Glied zu marschieren, tanzen Individuen.
Die Zerstreuung ist unkontrollierbar."
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Mit lediglich einem UKW-Empfänger ausgerüstet geht es der völkisch-nationalen Identität an den Kragen.
"Wer teilnehmen will, benötigt keine tänzerischen Vorkenntnisse. Es braucht allein ein aufmerksames Ohr und ein tragbares Radio mit Kopfhörern. Auf Radio
Orange 94,0 wird ein Programm ausgestrahlt, in dem Vorschläge für Übungen in abweichendem Verhalten gemacht werden. Ziel ist dabei nicht der individuelle künstlerische Ausdruck, sondern serielle und wiederholte Bewegungen in der Grauzone zwischen erlaubten, zwielichtigen und verpönten Gesten."
Was ist ein Radioballett und was soll das ganze eigentlich?
"Das Radioballett als Aktionsform wurde von der Hamburger Radiogruppe LIGNA entwickelt und das erstemal im Mai 2002 in Hamburg am Hauptbahnhof durchgeführt.
Seither hat es in verschiedenen Städten in Deutschland, der Schweiz und Österreich solche Aktionen gegeben – an verschiedenen Orten (Bahnhöfe und Fußgängerzonen) und aus verschiedenen Anlässen (Privatisierung und Kommerzialisierung des öffentlichen Raumes, Überwachung, Tag der deutschen Einheit, WEF-Tagung...)
Das Radioballett dient zur individuellen Zurückgewinnung des Öffentlichen Raumes. Beispiele bei denen der öffentliche Raum zunehmend privatisiert und kontrolliert wird gibt es zur genüge: Videokameras überwachen Strassen und Plätze um "unliebsame Verhaltensweisen" zu verhindern, Bahnhöfe werden zu Konsumtempeln umgebaut, nicht Kommerz orientierte Orte wie besetzte Häuser und alternative Kultur wird mit Repression überzogen, wobei der öffentliche Raum mehr und mehr zur zugangsbegrenzten Erlebnis- und Einkaufswelt wird und auf Kosten der Öffentlichkeit kapitalisiert wird.
LIGNA: 'Die Radiowellen infiltrieren den Raum, sie können Situationen verändern. Die Möglichkeiten der Assoziationen sind längst nicht ausgeschöpft. Wir müssen nur lernen zu genießen, dass das Unkontrollierbare der Zerstreuung, der Konstellation auch in der Assoziation nicht beherrschbar ist. Es geht darum, die Assoziation in einer Situation freizusetzen und eine ungeheure Produktion zu ermöglichen.'"
Mehr Informationen zum Hintergrund dieser Aktionsform:
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Was...? Radioballett! Anomalisierung des Alltagslebens
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Feature zum Radiobalett am 20. Sep 2004
Kommt alle hin!
Der Ablauf der Aktion ist völlig ungezwungen. Fühlt sich jemensch in einer Situation nicht wohl, so kann er/sie selbstverständlich pausieren oder aufhören.
Es wäre schön, wenn möglichst viele Menschen am Radioballett teilnehmen, denn je mehr Personen den Heldenplatz zum aktionistischen Pflaster machen, desto größer ist die Hetz!
Kommt deshalb am Dienstag, den 26. Oktober 2004 um 13:30 Uhr in den Monochromraum im Museumsquartier. Dort erhält Ihr tragbare Radios, sofern Ihr kein eigenes habt und letzte Informationen. Nehmt eventuell Stifte zum Malen mit. Bittet Freunde und FreundInnen zum antipatriotischen Tanz und erfreut Euch gemeinsam des gemeinsamen Zerstreuens am Heldenplatz!
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