Mindestens 1.300 Leute kamen am Freitag, dem 12. November 2004, zum Treffpunkt am Wiener Südtirolerplatz, um fuer den Verbleib des EKH zu demonstrieren. Es war eine bunte Demonstration, die zur Party am Stephansplatz zog - durchaus eine Bekraeftigung der Forderung: EKH bleibt.
Anfangs nervten die Kibara, da sie mit der Route der Demo nicht einverstanden waren. Sie wollten nicht, dass diese ueber die Kaerntner Straße zieht. Deshalb wurde sich dann auf eine Route ueber eine Nebenstraße geeinigt. Die Leute nutzten die Zeit des Wartens, um sich zu unterhalten. Es waren ja viele Leute gekommen, mehr als sich wohl die meisten erwartet haetten. Vor allem relativ viele junge Leute waren mit dabei - es war aber durchaus ein sehr gemischtes Publikum, mit Beteiligung von ausserhalb Wiens. Mit etwas Verspätung und nach einer kurzen Erklaerung worum es geht und Informationen ueber den aktuellen Stand (siehe
ekhbleibt.info), setzte sich die Demo in Bewegung.
Die Polizei hielt sich weitgehend zurueck. Es waren zwar etliche Fahrzeuge mit Blaulichtern und voller Besatzung zu sehen, jedoch kaum direkt bei der Demo. Die Kibara beschraenkten sich darauf, Baustellen und einige Hauseingaenge zu bewachen. Zum Teil wurde sogar auf das Regeln des Verkehrs verzichtet. Am lustigsten fanden wir die Bewachung irgend eines Immoblienbueros auf der Favoritenstrasse. Die Demo zog unbeindruckt daran und an den wenigen zum Teil mit Helm ausgestatteten BaustellenwaechterInnen vorbei und ignorierte sie weitgehend.
Die Demo selbst war in Anbetracht der zahlreichen Demonstrierenden fast zu ruhig. Vom Lautschprecherinnenwagen wurde die Umgebung mit Musik beschallt, fuer eine Freeparty jedoch etwas zu leise. Sprechchöre gabs nur vereinzelt. Einige wenige hatten Trommeln mitgebracht oder jonglierten. Die sich bewegende Masse kam bei den PassantInnen jedenfalls gut an - und vor allem Jugendliche waren positiv ueberrascht, wer da an ihnen vorbeikam. Etlichen war das EKH nicht bekannt, was einige AktivistInnen zu Gespraechen veranlasste, in denen das EKH und die derzeitige Situation erklaert wurde. Zusaetzlich wurden Flugis verteilt, von denen aber zu wenige vorhanden gewesen sein duerften.
Trotz grosser TeilnehmerInnenzahl und Partystimmung fanden wir die Demo fast etwas langweilig. Dies hat sicher auch mit dem relativ langen Warten auf den Start, als auch mit dem Ziel der Demo zu tun. Es wurde - wohl bewusst - kein
Sitz der Verantwortlichen bzw.
der Partei (siehe Kommentare beim angegebenen Link) besucht, um ihn ein wenig ins Blickfeld zu zerren. Dies kann einerseits kritisiert werden, hat aber auch seinen Anreiz. Denn sehr wohl wurden die Anliegen transportiert: Wir wollen nicht im Kommerz der Grossstadt untergehen, sondern selbst bestimmen, wo und wie wir leben, arbeiten, essen, schlafen und feiern; wir haben wohl andere Vorstellungen von Zusammen-leben, als der Grossteil der BewohnerInnen dieser Stadt. Und diese Message kam auch an. Einige bringen fuer solche Ideen wenig Verstaendnis auf und sehen sich persoenlich angegriffen, waehrend sie gleichzeitig versuchen, anderen vorzuschreiben wie sie zu leben haben. Vor allem bei Kindern, die bei der Demo vorbeikamen, war ein Strahlen in den Augen ersichtlich. Gerade bei der abschliessenden Party am Stephansplatz sind - wenn auch wenige - Eltern aufgefallen, die wohl aus Angst, ihre Kinder koennten am Geschehen Spass empfinden, schnell umdrehten.
Die Demo zog also ueber die Favoritenstrasse zur abschliessenden Party am Stephansplatz (genaue Route beim
TATblatt). Lediglich im ersten Bezirk rund um die "verbotene" Einkaugsmeile Kärntnerstrasse war die Kibarei massiv praesent. Das skurille Bild war, dass sich hinter den Reihen und Bussen der Uniformierten zahlreiche PassantInnen draengten, die aufgehalten wurden und nicht wussten, warum. Mensch kann fast sagen, die Kibarei verarschte sich einmal mehr selbst. Ansonsten duerften die Beamten sehr auf Deeskalation aus gewesen sein. Bei der Ueberquerung des Rings konnte eine interessante Beobachtung gemacht werden. Dort parkte in erster Reihe vor der Ampel ein "Wahlmobil" des schwer rechten Wiener FPÖ-Chefs Strache. Ein daneben stehendes Polizeiauto schaffte es trotz wenig Platz, sich schnell zu entfernen, als sich einige AktivistInnen dem FP-Auto naeherten, ohne dann aber weiter viel zu tun.
Vor dem Stefansdom startete nach kurzen Redebeitraegen die abschliessende Freeparty, zu der noch bis 21:00 Uhr zahlreiche Leute rockten. Das schoene an dieser Party war, dass dem Stefansplatz ein ganz anderes als das uebliche Bild geboten wurde. Der ansonsten von Kommerz beherrschte Platz erwachte ploetzlich zum Leben und zahlreiche PassantInnen bewegten beim Vorbeigehen ihre Koerper im Rythmus der Beats - oder blieben erfreut stehen. Nur wenige hatten wieder mal nichts besseres zu tun, als rumzustenkern.
Obwohl einiges haette besser ablaufen koennen, sind wir doch der Meinung, dass die Demo ein Erfolg war. Und wir hoffen, dass es so weiter geht - und beim naechsten mal noch mehr kommen und sich auch mehr aktiv an der Vorbereitung beteiligen. Da hats, soweit wir in Erfahrung bringen konnten, ein wenig an Beteilgung gemangelt (auch an unserer, wie wir selbstkritisch festhalten muessen). Wenn wir wollen, dass das EKH noch lange bestehen bleibt, dann muessen wir aber wohl noch mehr tun, als uns an Aktionen, die andere sich ausdenken, zu beteiligen. Beispielgebend seien die Besuche bei der KPOe in
Wien und
Klagenfurt/Celovec oder
bei Wiens BuergerInnenmeister Hauepl genannt. Doch sollte sich der Protest in Zukunft auch verstaerkt gegen die neuen EigentuemerInnen
Machowetz und Co., wowie die
Immobilienverwaltung Gustav Petri & Co. richten, die das Haus
mit Ende des Jahres leer haben wollen. Doch damit werden sie nicht durchkommen.
EKH rockt weiter!
... und bleibt sowieso - autonom!
Weitere Eindruecke von der Demo
hier und
hier, sowie beim
TATblatt. Bilder bei
zerofunktion.