Eine gesellschaftliche Wirklichkeit herrscht bevor der Mensch auf die Welt kommt. In der Sozialisierung lernt er, sich der gesellschaftlichen Wirklichkeit anzupassen und internalisiert vorgefertige Verhaltens- und Denkmuster. Umgekehrt beeinflusst jeder/jede Einzelne/r - je nach ihrer/seiner Positionierung im Machtverhältnis- die Wirklichkeit. Dieser dialektische Prozess ist eine wechselseitige und ständige Beziehung. Die Rede ist von einer gesellschaftlich konstruierten Wirklichkeit. Diese sozialisierte Wirklichkeit wird wiederum von unterschiedlichen Teilkonstrukten getragen, die durch Grenzziehung und Hierarchisierung das Produkt und paradoxerweise auch der Grund sind.
Im folgenden Artikel werde ich versuchen, das Gesamtkonstrukt „Wirklichkeit“ zu behandeln und an Hand des Beispiels des Teilkonstrukts Nation auf die Problematik in diesem Zusammenhang hinzuweisen.
Was ist „Wirklich“?
Allgemein gesprochen, wird unter „Wirklichkeit“ oder „Realität" meist die Bezeichnung für die Gesamtheit der materiellen, sozialen und emotionalen Gegebenheiten - auf die sich das Verhalten des Menschen bezieht bzw. von ihm begrifflich oder in der Vorstellung erfasst und behandelt werden - verstanden. Von der Wirklichkeit nimmt der Mensch üblicherweise an, dass sie gefunden wurde. Eine erfundene Wirklichkeit dagegen könne - eben weil erfunden - niemals wirklich sein. Die Betrachtung der Wirklichkeit ist jedoch stets subjektiv und ist von der individuellen Geschichte, Zeit, Ort, Status aber auch der Bereitschaft zur Reflexion/Hinterfragung gekennzeichnet. Es ist die Fähigkeit des Menschen zur Abstraktion, die den Anschein gibt, Wirklichkeit sei objektiv und allgemein gültig.
In ihrem Buch „Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit“ versuchen Peter L. Berger und Thomas Luckmann zu verstehen:
„Da Gesellschaft objektiv und subjektiv Wirklichkeit ist, muss ihr theoretisches Verständnis beide Aspekte umfassen. Beiden Aspekten wird, wie wir schon sagten, erst eigentlich gerecht, wer Gesellschaft als ständigen dialektischen Prozess sieht, der aus drei Komponenten besteht: Externalisierung, Objektivation und Internalisierung.“
Die Macht der Wirklichkeit macht die Wirklichkeit
Wie sehr die/der Einzelne die (internalisierte) gesellschaftliche Wirklichkeit beeinflussen (externalisieren) oder sogar bestimmen (objektivieren) kann, hängt von ihrem/seinem Verhältnis zur Macht ab.
Die bekannteste Definition von Macht stammt vom Soziologen Max Weber . „Macht“ ist nach ihm „jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel, worauf diese Chance beruht.“
Ergänzend dazu müsste gesagt werden, dass die Chance größer ist, desto mehr man/frau sich strukturelle/institutionalisierte Macht aneignet. Macht ist somit -mehr als eine Erscheinung in der direkten Beziehung- eine permanente Wirkung über Strukturen und Institutionen (z.b. Mann in der feudalen und bürgerlichen Familie, ChefIn in der Firma, PolitikerIn bei der Gesetzerstellung, LehrerIn in der Schulklasse...). Das Individuum - welches von dem mehr Machtausübenden geprägt ist- kommt die Erwartung zu, die gesellschaftlich verankerte Macht zu aktualisieren oder bereits existierende Machtverhältnisse zu reproduzieren. Das Erhalten einer dem entsprechenden Position in der Machthierachie hängt an dieser Erwartung und definiert wiederum das Ausmaß der Chance mit welchem die gesellschaftlichen konstruierte Wirklichkeit bestimmt und das Welterfassen des Einzelnen beeinflusst werden kann.
So gesehen sind Macht und Herrschaft die Folgen, der Grund und gleichzeitig ein Prozess der gesellschaftlich konstruierten Wirklichkeit.
Am Anfang war die Internalisierug
Die primäre Sozialisation im Kindesalter ist neben einem kognitiven Prozess auch ein emotionaler Prozess, ohne diese Bindung der Gefühle wäre wahrscheinlich eine Sozialisierung unmöglich. Die Sozialisierung setzt zwar schon von Beginn an ein Selbst -einen Ausgangspunkt - voraus, doch ist seine eigenständig autonome Welterfassung in der primären Sozialisation kaum erwünscht. Vielmehr wird die vorbestimmte Rolle bzw. Identität und somit Handeln durch signifikante Bezugsperson (meist Eltern) eingeübt. Somit wird das Andere, als der Ausgangspunkt des eigenen Seins begriffen und eine Grundvoraussetzung für die Internalisierung der gesellschaftlich konstruierten Wirklichkeit geschaffen.
Berger und Luckmann schreiben:
„Identifizierung und Identifikation finden vor Horizonten statt, die eine besondere soziale Welt umschließen. Das Kind lernt zu sein, wie man es heißt. Hinter jedem Namen steht ein ganzer Sprachbereich, der umgekehrt einen markierten gesellschaftlichen Ort durchscheinen lässt. Eine Identität zu bekommen heißt, einen bestimmten Platz in der Welt angewiesen erhalten. Indem sich das Kind diese Identität subjektiv aneignet, eignet es die Welt an, auf die diese Identität verweist. Die subjektive Aneignung der sozialen Welt sind nur verschiedene Aspekte ein und desselben Internalisierungsprozesses, der durch dieselben signifikanten Anderen vermittelt wird.“
Sobald das Handeln und Denken der Eltern von weiteren signifikanten (bezeichnenden) Anderen legitimiert wird, versteht das Kind, dass es angeblich eine Allgemeinheit der Anderen (die Gesellschaft) gibt. Das soziale Wesen des Kindes möchte natürlich an der Gesellschaft teilhaben und muss sich dafür den gesellschaftlichen Konstruktionen unterwerfen. Durch die verschiedenen Wege der Kommunikation und der Fähigkeit der Abstraktion lässt das Kind die Konstruktionen als Wirklichkeit auffassen, welches sich vom anscheinend identischen Denken und Handeln der Anderen bestätigt wird.
Verhaftet in der konstruierten Wirklichkeit
Wie oben beschrieben wird die erste Auffassung von der Welt und ihrer Ordnung in der primären Sozialisation internalisiert. Umgekehrt wird über Externalisierung die Wirklichkeit bedient und reproduziert. Dies führt meist dazu, dass mensch die gesellschaftlich konstruierte Wirklichkeit nicht als eine Welt sondern als die Welt begreift. Mit dem Fortschreiten der Sozialisation wird die Hinterfragung oder sogar der Ausbruch aus der Wirklichkeit immer schwieriger bzw. ist es zu sehr mit dem Zusammenbruch großer Teile des sozialen Gebildes verbunden, weil eine Phase der Sozialisation auf die vorherige aufbaut.
„Die Formen der sekundären Sozialisation werden durch ihre fundamentale Schwierigkeit bestimmt: da sie immer einen vorhergegangenen Prozess der Primärsozialisation voraussetzt, muss sie mit einem schon geprägten Selbst und einer schon internalisierten Welt rechnen. Subjektive Wirklichkeit kann sie nicht ex nihilo aufbauen. Damit ergibt sich ein Problem, weil nämlich bereits internalisierte Wirklichkeit die Neigung hat, haften zu bleiben.“ so Berger und Luckmann.
In der sekundären Sozialisation
Während in der primären Sozialisation das Denken und Handeln der gefühlsnahen Bezugsperson internalisiert wird, kommen in der sekundären Sozialisation theoretische Konstruktionen hinzu, die die Gesamtkonstruktion der gesellschaftlichen Wirklichkeit stärkt. In dieser Phase spielt es weniger eine Rolle, welche Gefühlsbindung mensch zur lehrenden Person hat, sondern ist jetzt vielmehr die Ausübung von struktureller/institutionalisierter Macht, wesentliches Mittel der Sozialisation. Das Selbst, dass in dieser Phase fast konträre Erlebnisse der eigenen sozialen Bedürfnisse und Auffassung der Gegebenheiten gegenüber der gesellschaftlichen Wirklichkeit erlebt, wird großteils abgespalten. Obwohl die weitere Sozialisation, dass Etikett „Vertraut“ trägt, ist ohne die Teilung des Selbsterlebens eine sekundäre Sozialisation wahrscheinlich unmöglich.
Berger und Luckmann schreiben zur sekundären Sozialisation:
„So entsteht die Möglichkeit, einen Teil des Selbst und die dazugehörige Wirklichkeit gleichsam beiseite zu stellen, da sie nur für die jeweils rollenspezifische Situation relevant sind. Der Mensch setzt also Distanz zwischen sein Selbst einerseits und ein rollenspezifisches Teil-Selbst mit seiner Wirklichkeit andererseits. Dieses Kunststück ist erst möglich, nachdem die primäre Sozialisation schon stattgefunden hat. Noch einmal grob gesagt: das Kind kann sich leichter vor seinem Lehrer verbergen, als vor seiner Mutter. Anderseits ist die Kunst des Verheimlichens ein wesentliches Moment des Erwachsenwerdens.
Wissen, dass in der primären Sozialisation internalisiert wird, erhält seinen Wirklichkeitsakzent quasi-automatisch. In der Sekundärsozialisation muss er durch besondere pädagogische Maßnahmen bekräftigt werden. Die Redensart ist verführerisch. Denn die ursprüngliche Wirklichkeit der Kindheit ist vertraut. Sie stellt sich ein als Vertrautheit, unvermeidlich und natürlich. Im Vergleich dazu sind alle späteren Wirklichkeiten künstlich. So bemüht sich der Lehrer, Inhalte, die er vermittelt, vertraut zu machen; er macht sie lebendig. Das heißt: er macht sie scheinen, als wären sie vertraut wie die vertraute Welt des Kindes daheim. Er macht sie relevant. Das heißt: er baut sie in die Relevanzstrukturen ein, die in der vertrauten Welt schon bestehen. Und er macht sie interessant. Das heißt: er verleitet das Kind, sein Augenmerk von den natürlichen auf diese künstlicheren Objekte zu richten. [..] Die institutseigene sekundäre Sozialisation aller Religionen ist ein anschaulicher Beleg dafür.“
Also braucht es Theoretische Teilkonstruktionen, die das Gesamtwerk und System aufrechterhalten und das Individuum darin befestigen.
Teilkonstrukte der gesellschaftlichen Wirklichkeit
Theoretische Konstruktionen sind meist natürliche und/oder zuvor konstruierte- Un-Gleichheiten zwischen Menschen, die zu sozialen Differenzen und Grenzen forcieren, die der Hierarchisierung der Gesellschaft und somit der Legitimierung von institutioneller/struktureller Macht dienen.
Das Konstrukt ist einerseits das erwünschte Produkt, anderseits der Herstellungsprozess an sich. Dabei stellt weniger der Inhalt sondern die Funktion des Konstruktes die wesentliche Rolle.
Ethnische Konstruktion: die Nation
In diesem Abschnitt möchte ich die theoretischen Teilkonstruktionen der gesellschaftlichen Wirklichkeit, die in der sekundären Sozialisation erlernt werden, an Hand des Beispiels Nation behandeln. Ich habe diese Beispiele ausgewählt, weil es einen enormen Einfluss und Folgen auf das Leben des Menschen nimmt. Das soll natürlich nicht bedeuten, dass die wesentlichste Konstruktionen der gesellschaftlichen Wirklichkeit ist.
Rasse als Vorläufer Modell und konstruktionelle Basis der Nation
Die wohl älteste Form der ethnischen Konstruktionen ist die „Rasse“. Diese Konstruktion kam im 18. Jahrhundert erstmals stark zum Vorschein und argumentiert mit angeblich „genetisch/biologischen Verschiedenheiten von menschlichen Rassen“. Gleichzeitig wird die Überzeugung von der Überlegenheit der „weißen Rasse“ propagiert. Wir sprechen hier von Rassismus. Die Konstruktion „der Rasse“ und der Rassismus, der diese Konstruktion fordert, bedienen sich gegenseitig in einer wechselseitigen Beziehung.
Erfreulicherweise ist diese Konstruktion in der Schulsoziologie nicht mehr offen anwendbar, da die Behauptung einer „Rasse“ wissenschaftlich nicht haltbar ist. Dazu beigetragen haben AutorInnen wie Christian Schüller und Petrus van der Let, die in ihrem Buch „Rasse Mensch“ diese soziologische Konstruktion aufdecken und ihre Unvereinbarkeit mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen aufzeigen. Sie zeigen des weiteren auf, aus welchen Prozessen diese Konstruktion entstand und weisen nach, dass der Begriff von Beginn an eingesetzt wurde, um Menschen nicht nur zu klassifizieren, sondern auszugrenzen, zu benachteiligen und zu unterdrücken.
Nation: Einschränkung von sozialem Raum
Während durch die Konstruktion „Rasse“ eine großräumige Ausgrenzung bewirkt werden konnte, beschränkt dich das Konstrukt „Nation“ Betrachtungsweise auf einen detaillierteren Raum. Eine wesentliche Rolle spielt dabei der geographische Ort, an dem mensch zufälligerweise das Lebenslicht erblickt. Die Menschen die zum sozialen Raum Nation eingeboren werden, werden in der sekundären Sozialisation durch Gemeinschaftsgefühle, die z.B. durch Symbole, Kultgemeinschaften, gemeinsame Erinnerungen (Geschichte), Einheitszeremonien der Anschein der spezifischen Gemeinsamkeit und der Zugehörigkeit zu dieser gegeben.
Wie nationale Gemeinsamkeiten weitgehend konstruiert werden, schildert Beispielsweise Trevor-Roper in der Erschaffung der schottischen Nation vom Kilt bis zum Dudelsack. Er zeigt auf, wie aus Legitimitätsgründen eines Staates versucht wurde, unterschiedlichste Menschen und Gruppen zu einer Gemeinschaft mit einheitlichen Merkmalen, Geschichte und Tradition zusammen zu schweißen. Dazu muss ergänzend gesagt werden, dass die ausschließliche Funktion der Nation nicht nur die territoriale Abgrenzung zum Rest der Menschheit bezweckt, sondern auch innerhalb der nationalstaatlichen Grenzen Menschen ausschließt, um somit eine Projektionsfläche bzw. ein Ventil für unangenehme gesellschaftliche Probleme bieten soll. Ähnlich wie beim Rassismus ist beim Nationalismus eine Diskriminierungen im Gange, die wiederum die Nation fordert und stärkt.
Funktion des Konstrukts Nation
Lars Heinemann zeigt in seinem Aufsatz „Ethnizität und Geltung“ die grundsätzliche Problematik auf:
„Auf dieser Funktion kultureller Unterschiede zu sozialer Grenzziehung basieren konstruktivistische Theorien über Ethnizität. Danach besteht die einzige Rolle kultureller Unterschiede in der reinen Markierung von Differenzen. Kulturelle Inhalte - und andere Unterscheidungsmöglichkeiten wie z.B. die Hautfarbe - dienen dabei lediglich diesem Zweck der Abgrenzung und können relativ beliebig eingesetzt werden. Einige kulturelle Inhalte aus dem großen Fundus werden im Prozess der Grenzziehung kommuniziert, andere ignoriert und wieder andere kulturelle Unterschiede heruntergespielt.
Konstruktivistische Ansätze zeichnen sich nun dadurch aus, dieser Tatsachen wegen kulturelle Inhalte grundsätzlich von der Analyse auszunehmen. Aus diesem Blickwinkel setzten sich alle Versuche, ethnische Gemeinschaften und kulturelle Inhalte zusammenzubringen, dem Verdacht des `Essentialismus´ aus. Dieser Vorwurf impliziert auf der Ebene der Gemeinschaften, der Rekurs auf kulturelle Inhalte bestimme eine spezifische, unveränderliche kollektive Identität. Das bedeutet wiederum, nicht nur die dauernde Veränderung kultureller Inhalte zu leugnen, sondern dadurch auch die Grenzen zwischen Gruppen zu verewigen. Auf individueller Ebene folgt daraus, dass diese Kultur dann auch den Mitgliedern ethnischer Gruppen zugerechnet wird. Ethnizität zu essentialisieren bedeutet aus konstruktivistischer Sichtweise also auch, Individuen aufgrund ethnischer Zugehörigkeit eine bestimmte, ihr Verhalten bestimmende Kultur zuzuschreiben. Ethnizität wird zu individuellem Schicksal.“
Daraus schlussfolgernd ist Nation weniger eine kulturelle, sondern - wie schon Max Weber definierte - vielmehr eine sozialisierte Glaubensgemeinschaft. Doch die Schärfe der Trennung ist schwer zu ziehen, da sich anderseits der sozialisierte Glaube an die Nation auf pseudogemeinschaftliche Merkmale stützt, die als Kultur verstanden werden. In diesem Kontext ist die „Kultur“ kein schöpferisches Potential in einer selbstbestimmten Entwicklung, sondern ebenfalls eine aufgesetzte Konstruktion, die der Abgrenzung dient und nicht verwertbare - für die Nation nutzlose- kulturelle Vielfalt verschwinden lässt. Verwertbarkeit bedeutet in diesem Sinne das instrumentell persönliche Interesse zu kollektivieren, um üblicherweise Zugang zu ökonomischen und emotionalen Ressourcen zu finden. Die Ungerechtigkeit - durch Ausbeutung und Unterdrückung- innerhalb stellt für das Konstrukt Nation kaum eine Bedrohung, solange die Nation als Gemeinschaft außerhalb -in Konkurrenz um Ressourcen mit anderen Nationen- für einen Großteil der Mitglieder einen ökonomischen und emotionalen Gewinn abwirft oder dies glaubwürdig prophezeit.
Die Nation: Apparat der Unterdrückung und Ausbeutung
Wie sehr die nationale Konstruktion auf Ausbeutung/Unterdrückung der abgegrenzten „Anderen“ aufgebaut ist, zeigt sich am Offensten im Kolonialismus (Imperialismus).
In der Dimension des Schreckens gegenüber Menschen - die zwar innerhalb der Gesellschaft und nationalstaatlichen Grenzen lebten, aber außerhalb des Konstruktes gestellt und industriell vernichtet wurden- ist der Nationalsozialismus ein einzigartiges Beispiel. Es ist bezeichnend, dass die Aufarbeitung des Nationalsozialismus meist in der Frage der Nation in einer Sackgasse stecken bleibt bzw. solange das Konstrukt Nation aufrechterhalten wird, es offensichtlich keine grundsätzliche Lösung vom Erbe des Nationalsozialismus erreicht werden kann.
Problematik und Gefahren der konstruierten Gesellschaft
Wie an Hand des Beispiels der Nation behandelt, stellt eine gesellschaftliche Konstruktion und die Identifikation damit, immer eine hohes Potential an unterschiedlichen Gefahren, die über diverse Herrschaftsformen, kapitalistisch/imperialistischer Ausbeutung und Unterdrückung und in der totalen Konsequenz bis hin zum industriellen Massenmord an Menschen führen kann.
Allein schon die Ausgrenzung und Abwertung, die fast jeder Konstruktion inne wohnt, bedeutet für die betroffenen Menschen immer eine soziale Benachteiligung und emotionales Leid, die Verbunden mit der Ohnmacht aus der Situation raus zu kommen dieses Handeln und Verhalten des Menschen außer Verstand und Erkenntnis lässt.
Dabei wäre der Mensch fähig, sich Selbst als Ausgangspunkt des sozialen Leben und der Entwicklung zu sehen und das Zusammenleben so zu gestalten, dass Verantwortung für das eigene Handeln übernommen wird und in gleicher Intensität für das Zusammenleben mit Anderen, ohne die der Mensch nicht existieren kann. Dies beantwortet vielleicht auch ein Stückweit die Frage: Was tun, wenn die Konstruktionen wie eine Seifenblasen einer nach der anderen platzen?
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Quellenangaben:
• Peter L. Berger/Thomas Luckmann: Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit, 1980, Fischer, Frankfurt
• Max Weber: Wirtschaft und Gesellschaft, 1921/22, Gesammelte Schriften, Tübingen
• Christian Schüller/Petrus van der Let: Rasse Mensch - Jeder Mensch ein Mischling, 1999, Alibri/Aschaffenburg
• Trevor-Roper Hugh u.a.: The Invention of Tradition - The Higland Tradition auf Scotland, 1983, Hobsbawn, Cambridge
• Lars Heinemann u.a.: Geschlecht, Ethnizität Klasse - Zur sozialen Konstruktion von Hierachie und Differenz, 2001, Leske +B udrich, Opladen
•
/_www.de.wikipedia.org: freie online Enzyklopädie
weitere Literatur:
• Leo Kofler: Geschichte und Dialektik - zur Methodenlehre der marxistischen Dialektik, Marxismus-Verlag, Frankfurt
• Arno Gruen: Wahsinn der Normalität, 1992, DTV, München
• Wulf D. Hund: Rassismus - Die soziale Konstruktion natürlicher Ungleichheit, 1999, Westfälisches Dampfboot, Münster
• Paul Watzlawick: Wie wirklich ist die Wirklichkeit, 2002, Piper, München
• Raul Hilberg: Täter Opfer Zuschauer, 1997, Fischer, Frankfurt
• Friedrich Wieser: Das Gesetz der Macht, 1926, Springer, Wien