Gestern, dem 26.02.2005 demonstrierten Hunderte gegen Neofaschismus und rechtsextreme Übegriffe in Vorarlberg. Die Demo in Bludenz war für die antifaschistische Bewegung sicherlich ein Erfolg.
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Beschäftigt mit der Frage wie die Demo wohl ablaufen würde, stieg ich den Zug Richtung Bludenz ein. Meine Gedanken und Gefühle schwankten zwischen "Hoffentlich tauchen keine Nazis auf und es verläuft alles ruhig" bis hin zu "Eigentlich hätte ich schon länger Lust ein paar Nazis so richtig zu klatschen."
Auf der Fahrt kamen immer mehr und mehr AntifaschistInnen hinzu, vorwiegend junge Leute mit selbstgebastelten Transpartente, Schildern und was sonst so alles zu einer Demo dazu gehört.
Es gab längst keine Sitzplätze mehr. Mir wurde klar, dass wir diesmal sogar mehr werden würden, wie bei der Gedenkdemo zum Jahrestag der Novemberprogrome in Dornbirn.
In Bludenz waren derweil schon eine Menge AntifaschistInnen versammelt, die u.a. auch von andern Bundesländern angereist waren und erkannt hatten, dass das neofaschistische Problem in Vorarlberg auch lämgst sie was angeht.
In Bludenz, wo kürzlich ein Konzertbesucher durch eine Gaspsitole am Kopf verletzt wurde, angekommen, wurden wir mit der Parole "Hurra, Hurra, die Anifa ist da!" lautstark begrüsst. Obwohl die Parole widersprüchlich war (schliesslich war die Antifa schon dort, bevor der Zug ankam ;-), tat es dem Selbstbewusstsein gut. Herzhafte Umarmungen und Küsse mit FreundInnen die ich teilweise schon länger nicht gesehen hatte, liessen das verspätete Aufbrechen der Demo kaum bemerken.
Wie unterschiedlich die politischen Ansätze auf der Demo waren konnte mensch von Transparenten und Flugblättern ablesen. Von autonom, anarchistischen über marxistisch, kommunistischen bis hin zu MigrantInnen Organisationen war das Spektrum des Antifaschismus sehr breit und nach aussenhin geschlossen und entschlossen. Rassismus, AusländerInnfeindlickeit, Antisemitismus, Nationalismus, Kapitalismus, Imperalismus/Kolonialismus, Krieg, sowie Sexismus wurden radikal kritisiert und zu deren Überwindung aufgerufen. Mit Parolen zog die Demo durch die Innenstadt: "Wir wollen keine Nazis Schweine!", "Hoch die Internationlae Solidarität" (dieselbe Parole hörte sich im autonomen Block anders an: "Hoch die Antinationale Solidarität") "Nazis Morden, der Staat schiebt ab", " Nazispack aufgepasst, wir haben euch was mitgeracht: Hass! Hass! Hass!", "Say Hey Say Ho, Nazis have to go!" etc.
Von den angeblich 50 Neo-Nazis die aus der Schweiz und Deutschland eingreist sein sollen gabs keinen zu sehen. Nur irgendwo, nach dem die Demo die Innenstadt verlassen hatte, wurde ein fotografierender Typ angegriffen, der von aufmerksamen Antifas als einer des Club 122 (Fascho-Vereinigung) erkannt wurde. Die Polizei konnte ihm gerade noch zur Flucht verhelfen. Wird ihm in Zukunft wohl wenig helfen, da sein Name und Adresse der Antifa mittlerweile bekannt ist. Bis auf diesen weniger bedeutsamen Zwischenfall ging es weiter zur Abschlusskundgebung. Dort wollten dann nicht mehr viele den Reden zuhören. Es hieß dann auch, dass Faschos am Bahnhof gesichtet wurden, daraufhin ging eine Gruppe dorthin, aber Faschos wurden keine gesichtet.
Das Verhalten der Polizei gegenüber der Antifademo war deeskalierend und eher zurückhaltend, was sicherlich zur "friedlichen Stimmung" beigetragen hat. Es soll jedoch kurzfristigen Verhaftung von Antifas gekommen sein, wozu ich jedoch nichts genaues weiss.
Die Demo war politisch wie auch organisatorisch ein Erfolg für die DemonstrantInnen, ob mensch die Bevölkerung erreichen konnte, wird sich herausstellen. Fest steht, dass die Teilnahme von Demo zu Demo grösser wird, was jede/n, die/der für ein grenzenloses, selbstbestimmtes und gleichberechtigetes Leben einsteht, höher schlagen lässt.