EUropa : Gipfelinfo
Demonstration gegen den EU-Wettbewerbsgipfel in Graz
Am Samstag, 22. April 2006 beteiligten sich ca. 550 Leute an einer Demonstration, die von einem Bündnis aus Parteien, Gewerkschaften, NGO's und Mayday 2000 Graz organisiert wurde. Im Anschluss daran kam es noch zu einer Spontandemo zu einigen Hotels, in denen EU-Delegierte wohnten.

Ab 11:30 sammelten sich vor dem Grazer Hauptbahnhof die AktivistInnen zur Auftaktkundgebung, bei der wenig interessante Reden geschwungen wurden. Danach setzte sich die Demo in Bewegung. Nach wenigen 100 Metern wurde schon die erste Zwischenkundgebung vor einer Manpower-Filiale abgehalten. Ein Funktionär der millionenschweren KPÖ, die mittlerweile einen Großteil ihres Vermögens veräußert hat, forderte eine Millionärssteuer einzuheben.
Nach Beendigung der Reden zog die Demo einige hundert Meter zu einer Postfiliale weiter, wo eine Vertreterin von Attac die nächste Rede hielt. Die OrdnerInnen waren laut Aussagen durch ihre Megaphone von der Anzahl der TeilnehmerInnen an der Demo überrascht. Sie versuchten die Leute dazu zu bewegen, aufzurücken. Ihre Anweisungen wurden zum Teil befolgt, zum Teil ignoriert. Nach kurzem bewegte sich die Demo zur nächsten Zwischenkundgebung am Südtirolerplatz. Während der Reden wurden auch vereinzelt Parolen gerufen, was die RednerInnen sichtlich irritierte. So wurden MusikerInnen aufgefordert, doch mal eine Pause einzulegen, was diese dann auch taten.
Nach der zweiten Zwischenkundgebung ging es weiter über die Mur Richtung Hauptplatz, vorbei am Rathaus, wohin angeblich die Abschlusspressekonferenz der EU-MinisterInnen verlegt worden war. Kein Hindernis für die OrdnerInnen daran vorbei zu leiten. Polizei war allgemein wenig präsent auf der Demo, aber vielleicht hatten sich die Beamten ja mit den Hilfssheriffs, die mit gelben Warnwesten und roten Armbändern ausgestattet waren, zuvor abgesprochen? Wenige Meter nach dem Rathaus war die Seitengasse zum Landhaus mit Tretgittern und einigen PolizistInnen abgesperrt. Die Spitze der Demo zog auch hier vorbei, doch ein Teil blieb stehen und es kam zu zahlreichen Sprechchören und einem Auftritt des Pink Silver Blocks. An dieser Stelle sei angemerkt, dass die Slogans auf der Demo zum Großteil nicht sehr ansprechend waren.
Nach wenigen Minuten tauchten wieder die OrdnerInnen auf, um die Leute dazu zu bewegen, sich doch 50 Meter weiter bis zur Abschlusskundgebung zu bewegen. Nach und nach löste sich dann auch die Menge vor dem Eingang zum Landhaus auf und die RednerInnen konnten mit ihren Abschlussreden beginnen. Währdenddessen verließen einige Menschen die Kundgebung.
Nachdem die Kundgebung offiziell beendet wurde, bildete sich eine Spontandemo. Etwa 220 Leute schlossen sich dieser an. Die Polizei hatte wohl nicht damit gerechnet, dass sich nach der offiziellen Demo noch etwas tun würde und war sichtlich überfordert. Als die Leute vorbei am Rathaus Richtung Kongresszentrum zogen wurden die Beamten nervös und einge versuchten sich den AktivistInnen immer wieder in den Weg zu stellen. Doch sie hatten gegen den Druck der Menge keine Chance und so bewegte sich die Demo ungehindert weiter. Der Weg zum Kongresshaus war abgeriegelt und daher ging die Demo die Albrechtgasse entlang.
Die Demo zog über die Tegetthoffbrücke und die PolizistInnen wurden immer nervöser, vor allem als die Demo vor das Grand Hotel Wiesler gelang, in dem einige der EU-Delegierten untergebracht waren. Hier drängten die Beamten die Demo vom Eingang weg. Danach gelangte die Menge zur Hauptbrücke. Die blauen Hemden rollten unter Zureden einiger Beamter auf der Brücke ihre Transpis ein und verließen geschlossen die Demo.
Die nun kleiner gewordene Demo zog weiter Richtung Hauptplatz. Dort war schon mehr Polizei anwesend, doch hatten die Beamten alle Mühe, sich zu koordinieren. Vor dem Rathaus gab es dann noch einen Versuch die Demo einzuschüchtern, indem eine Kette von ca. 10 PolizistInnen auf die DemonstrantInnen zulief und provozierte. Die Leute blieben stehen bzw. verteil400ten sich am Platz und ignorierten die lächerlichen Versuche der Exekutive.
Am Hauptplatz begann nach einigen Minuten des Herumstehens erneut ein kleiner Demozug sich in Richtung Stadtpark zu bewegen. Die ca. 60 Leute wurden diesmal nur noch von ein paar Beamten in Zivil begleitet. Im Stadtpark wurde die Demo beendet und die Sonnenstrahlen bei Musik, Essen und Getränken genossen. Der ehemalige Grazer Stapochef, nun für politische Veranstaltungen zuständig, beobachtete die AktivistInnen beim Chillen in der Wiese. Ob er enttäuscht war, dass sich nicht erneut eine Spontandemo bildete...?