Zuerst eine kleine Geschichtsstunde, die jedes Jahr auf's Neue serviert werden muss:
Anfang 1886 nämlich, als die nordamerikanische ArbeiterInnenbewegung zum Generalstreikt aufrief, kam es zu massiven mehrtägigen Protesten bei denen die Polizei vier Arbeiter erschoss, weil sie sich für die Durchsetzung der Achtstundenwoche einsetzten. Im selben Jahr am 4. Mai eskalierte die Gewalt, denn eine Bombe von einem Unbekannten innerhalb der Polizeitruppen tötete acht von ihnen. Anschließend gab es einen enormen Aufstand, der mit 200 verletzten ArbeiterInnen und einer offiziell unbekannten Zahl von Toten als Haymarket Riot in die Geschichte einging. Acht Menschen wurden festgenommen und einer Verschwörung angeklagt. Von ihnen wurden vier am Strang hingerichtet, einer beging Selbstmord in der Zelle. Sechs Jahre später wurden die noch lebenden drei begnadigt. Als die Zweite Internationale Arbeiterbewegung 1889 ihren Gründungskongress hielt, wurde der 1. Mai zum Gedenken der Opfer des Haymarket Riot (natürlich nur den ArbeiterInnen, hihi) als offizieller “Kampftag der ArbeiterInnenbewegung” ausgerufen. Seit jenem Jahr gab es viele Grossdemonstrationen und Aufstände am 1. Mai.
Dieses Datum hat sich mittlerweile bei allen mehr oder weniger linken Gruppen als Pflichttag eines Protests gegen Ausbeutungsverhältnisse manifestiert. Viele Gruppen aber kommen über eine reformistische und mehr als nichtssagende Kritik an den bestehenden Verhältnissen nicht mehr hinaus.
Wir wollen dem entgegenwirken und den allgemeinen Gegebenheiten den Kampf ansagen! Die Frage, wie lange das in sich widersprüchliche, auf Ausbeutung beruhende kapitalistische System noch überleben kann und den Menschen das Leben verunmöglicht, können wir natürlich nicht beantworten. Wir wissen nur, dass es allerhöchste Zeit ist, dass nun auch diejenigen Menschen die generellen und spezifischen Zwangs- und Unterdrückungsmechanismen erkennen, die das bis jetzt noch nicht so geschafft haben. Sei es deswegen, weil ihnen einfach die Zeit fehlt (vor lauter Arbeit?), sie eigentlich kein Interesse haben, weil sie "nur ihre Ruhe" haben wollen (vor was? Ihrer Arbeit?) oder sie gar nicht mitbekommen bzw. spüren, wie sehr sie schon in ihrem Denken angepasst und hörig geworden sind. Das sind aber auch nur einige wenige der offensichtlichen Gründe, die dazu führen, dass der Großteil der Menschen nicht bereit ist, den eigenen Alltag und damit die gesamtgesellschaftlichen Verhältnisse in Frage zu stellen.
Gehen wir an's Eingemachte: Wir alle leben in den gegenwärtigen ökonomischen Verhältnissen, ja sind sogar bedingungslos von ihnen abhängig. Was mache ich, wenn die TIGAS plötzlich die Heizungskosten erhöht und ich bisher aber gerade so viel Geld (verdient) habe, dass sich der bisherige Betrag ausgegangen ist? Was geschieht, wenn das Unternehmen, in dem ich meine tägliche Lohnarbeit verrichte, plötzlich irgendwo anders hinsiedelt, so dass ich entweder gekündigt werde oder von selbst kündigen muss und ohne die Möglichkeit Geld zu verdienen dastehe? Wenn in Jugoslawien, Afghanistan, im Irak oder vielleicht in naher Zukunft im Iran Menschen und lebenswichtige Einrichtungen mittels Bomben und Granaten mehr oder weniger gezielt getötet bzw. zerstört werden, sprich ein Krieg stattfindet, wen macht mensch dafür verantwortlich? Die AngreiferInnen im (unhinterfragten) Namen der "Menschenrechte" oder - wie seit geraumer Zeit passiert - die Angegriffenen? Ist die Verbreitung von Information nicht manipuliert? Wer garantiert mir das Gegenteil? Haben Kriege und Aufstände, die irgendwo anders stattfinden, überhaupt etwas mit meiner unmittelbaren Umgebung zu tun? Und schlussendlich: In Zeiten, in denen auch PolitikInnen nicht mehr richtig wissen, wie doof sie sich anstellen müssen, um gewählt [1] zu werden (Innsbruck ist momentan das Beispiel) - was hab ich damit zu tun???
Wir leben alle für ein System, das uns benutzt, das uns braucht und uns kaput macht um tagtäglich den Profitzwang befriedigen zu können. Der Kapitalismus beutet uns aus, lässt uns an einen Schein glauben ("jedeR kann Karriere machen?"), verlagert Probleme SCHEINbar woanders hin, schafft hier die Verhältnisse für die Kriege dort und treibt uns in die totale Abhängigkeit von Entscheidungsstrukturen, an denen nur eine minimale Anzahl von Menschen teilhaben können. Auch diese, in jenen Entscheidungsstrukturen eingebundene Menschen (PolitikerInnen? KonzernchefInnen? Generäle? Innen?), unterliegen dem Druck, die kapitalistischen Zwangs- und Unterdrückungsmechanismen tagtäglich zu reproduzieren - würden sie es nicht tun, wären alle Privilegien und damit ihre (höheren) Positionen weg, weil es immer Leute geben wird, die an ihre Stelle treten und den "Job" erledigen. Keineswegs aber sollen hier diese Menschen, ausgestattet mit enormer Macht und TrägerInnen von bestimmten Klassenverhältnissen und -interessen, als "genauso" unterdrückt oder ausgebeutet erscheinen oder erklärt werden. Dieses Beispiel dient nur der Erklärung von kapitalistischen Zwängen!
Die alltäglichen Zumutungen der auf der Lohnarbeit und der Ware basierenden kapitalistischen Ausbeutung, der auch Kriege um neue Märkte, Ressourcen, KonsumentInnen und billigeren Arbeitskräften immanent sind, lässt sich genauso wenig durch politische Wahlen wie durch die Wahl eines anderen Produktes im Supermarkt oder ein anderes TV-Programm herbeiführen.
Der Akt, dem Überleben und der täglichen Existenzangst ein Ende zu setzen, kann nur das bewusste Werk der Mehrheit der Menschen sein, die durch ihr Handeln oder Nicht-Handeln die kapitalistischen Verteilungs-, Produktions- und Wertverhältnisse überwinden wollen. In diesem Sinne rufen wir jeden Tag und besonders am 1. Mai dazu auf, die Diskussion um ein neues, von den Menschen selbstbestimmtes Leben weiterzuführen, zu unterstützen und weiter anzukurbeln!
Die soziale Revolution lässt sich nicht wählen, sie lässt sich nur machen!
Nicht das Transparent an der Demospitze mit dem Slogan "Smash capitalism!" ändert die Verhältnisse, sondern das erkennbare menschliche Handeln im Hier und Jetzt! Das Ziel, die Abschaffung des Kapitalismus (samt seiner immanenten Kriege) zugunsten einer Welt ohne ökonomische Zwangs- und Unterdrückungsformen ist alles andere als unmöglich!
Demo um 12 Uhr, Treffpunkt Rapoldipark
Strassenfest mit live und umsonst HC Punk Sound um 15 Uhr, Marktplatz
Auftreten werden drei Hardcore (Punk) Kapellen, die uns fetzigen Sound entgegenrotzen. Untermalt wird der 1. Mai noch mit DJ-Auflegerei (EGO, ROBERTO, etc.) und selbstverständlich eurer Beteiligung!
Innsbruck muss linksradikale Werkstatt werden!
ALLES FÜR ALLE und zwar UMSONST!
Auftretende Bands:
LIGHTHOUSE PROJECT -
/ www.lighthouseproject.cjb.net (melodic-mosh hc aus Finnland)
ANAEROBA -
/ www.myspace.com/anaeroba (anarchopunk aus Slowenien)
DEATH MOLD -
/ www.myspace.com/deathmold666 (metallic hc punk aus New York City)
Den kapitalistischen Schein durchbrechen!
Unterdrückung und Ausbeutung erkennen und benennen!
Freiräume und soziale Zentren schaffen!
Für ein geiles, selbstbestimmtes Leben!
[1] Karl Marx schrieb 1844 in seinen "Kritischen Randglossen zu einem Artikel eines Preußen": "Wo es politische Parteien gibt, findet jede den Grund eines jeden Übels darin, dass statt ihrer ihr Widerpart sich am Staatsruder befindet. Selbst die radikalen und revolutionären Politiker suchen den Grund des Übels nicht im Wesen des Staates, sondern in einer bestimmten Staatsform, an deren Stelle sie eine andere Staatsform setzen wollen."