at IMC : http://at.indymedia.org
Home
at IMC

Antirassismus : Antisexismus : EUropa : Soziale Kaempfe

MaydayMayday - der 1. Mai emanzipiert sich...

Vor allem die entstehenden Netzwerke der Prekarisierten haben ihn neu entdeckt und veranstalteten EuroMayday-Paraden in vielen Städten Europas. Thematisiert wurde die vielfältige Prekarisierung der Arbeits- und Lebensverhältnisse. Dieser Bericht gibt einen Einblick in die EuroMayday-Proteste am 1. Mai 2006, die historische Entwicklung des 1. Mai, die aktuellen Massenproteste für die Rechte von MigrantInnen in den USA und die Mayday-Demonstrationen in Venezuela.


Inhalt:
mayday2006graffity.jpg


Euromayday - der 1. Mai der Prekarisierten

Die Idee, den 1. Mai als Ausdruck der Prekarisierten zu revitalisieren, entstammt aus Italien. Seit 2001 wurden in Mailand Mayday Paraden abgehalten, zunächst mit wenigen hundert, später mit mehreren tausend, im Jahr 2005 schließlich mit über 100.000 TeilnehmerInnen. Wichtiges Kennzeichen ist nicht nur das neue Thema, sondern auch der Versuch, neue Ausdrucksformen zu etablieren: Die Paraden sind bunt und sollen die kreative Vielfalt der Bewegungen ausdrücken.

In den Jahren 2004 und 2005 breitete sich das EuroMayday Netzwerk über ganz Europa aus, so dass im vergangenen Jahr in vielen verschiedenen Städten, von Barcelona bis Helsinki, von Slowenien bis England, Aktivitäten stattfanden.

Im Aufruf zur Euromayday Parade 2006 in Wien ist zu lesen: Wir wollen uns durch lautstarke, bunte und kreative Formen des Kampfes und der Organisierung sowie durch vielfältige und hierarchiefreie Aktionsformen - jenseits der üblichen Repräsentationsspektakel - selbst zum Sprechen und Handeln ermächtigen. So sollen verschiedene Aspekte der gegenwärtigen Prekarisierungsprozesse sicht− und hörbar werden; nicht um die Unterschiede zu verwischen, sehr wohl jedoch um den vorherrschenden Zustand der Zersplitterung und Vereinzelung zu überwinden und eine Basis für gemeinsames politisches Agieren zu schaffen.

Am 1. Mai 2006 beteiligten sich europaweit mehrere 100.000 Menschen an den verschiedensten Paraden. In Paris gingen 30.000 Menschen auf die Straße, 120.000 waren es in Milano (Fotos 1 | 2), Tausende protestierten in London (IMC UK Mayday 2006 Archive), Barcelona (Fotos), Wien, Berlin (5000), Hamburg (2000), Napoli (Fotos), Liege (Fotos), Maribor usw.

mayday2006milano01.jpg

Ein Feature auf de.indymedia.org, das obenstehenden Ausführungen als Quelle diente, gibt einen Überblick über den Euromayday 2006. Ein update mit Links zu Berichten aus einzelnen Städten findet sich hier.

Neben den Euromayday Paraden fanden auch wieder traditionellen Demonstrationen und Kundgebungen zum ersten Mai statt, an denen sich in ganz Europa und auf anderen Kontinenten viele Millionen Menschen beteiligten. Eine Übersicht über die zahlreichen Aktionen findet sich auf marxists.org.


Berichte vom Mayday 2006 aus Österreich

mayday2006linz_praekaerrevolutionaer.jpg

Zur Geschichte des 1. Mai

Schon in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts gab Diskussionen, an einem Tag kollektiv die Arbeit niederzulegen. Am 1. Mai 1856 fanden in Australien Massendemonstration statt, bei denen der Achtstundentag gefordert wurde.

An diese Proteste knüpfte 1884 die "Föderierten Gewerkschaften und Arbeitervereine der USA und Kanadas" an, als sie ab dem 1.Mai 1886 forderte, dass der legale Arbeitstag nicht mehr als 8 Stunden zu betragen hätte. Als dieser Tag dann kam, traten in den USA 340.000 ArbeiterInnen in den Streik, allein in Chicago waren es 40.000.

Wenige Tage später fand hier das bekannt geworden Massaker vom Haymarket statt, bei dem durch einen von Provokateuren angezettelten Bombenanschlag ein Polizist ums Leben kam und in einer folgenden Schießerei 6 Polizisten und 7 oder 8 ArbeiterInnen getötet wurden. 30 - 40 Verletzte soll es gegeben haben. Es folgten Schauprozesse, in denen einige AktivistInnen zu Tote verurteilt wurden (siehe Zur Geschichte des 1.Mai).

Seit den Ereignissen im Jahr 1886 gilt der Erste Mai als zentraler Kampftag der besitzlosen Klassen. Doch Anfang des 3. Jahrtausends werden die oft blutig erkämpften Rechte mehr und mehr beschnitten. Dies ist in allen Lebensbereichen und für fast alle Bevölkerungsgruppen spürbar.

Allerdings hat der "Maifeiertag" seinen kämpferischen Charakter eingebüßt. Überall nehmen VertreterInnen von regierenden und Parlamentsparteien an den "Feierlichkeiten" teil - und meist sind es sie, die die großen Reden schwingen. Jene, die für den "Sozialraub" verantwortlich zeichnen, spielen sich als die VertreterInnen der ArbeiterInnenklasse auf. Und nicht selten greifen sie dabei auf rassistische Ressentiments zurück - wohl mit dem Ziel, die Unterdrückten zu spalten.

Dennoch bleibt der Erste Mai auch Ausdruck der weltweiten Kämpfe um Umverteilung von oben nach unten, der Abwehr des "Klassenkampfs von oben" und der Einforderung von ArbeiterInnenrechten. An Aktualität und Notwendigkeit hat der Tag nichts verloren.

mayday2006downtownla01.jpg

Der 1. Mai 2006 in den USA

Mittlerweile wird weltweit der 1. Mai zelebriert, außer in den USA und Kanada, dem historischen Ausgangspunkt dieser Proteste, so ein Bericht auf chicago.indymedia.org. Doch das änderte sich in diesem Jahr:

That epic battle for workers' rights and dignity was in large part carried out and led by immigrant workers in Chicago. Now, 120 years later, hundreds of thousands of immigrant workers, their families, friends, neighbors and co-workers will return to the city streets on May Day to demand full justice, equality and dignity for undocumented workers threatened with criminalization and deportation by anti-immigrant legislation now being debated in the US House and Senate.

120 Jahre nach dem Aufruf zum Generalstreik in den USA wurde zum "Great American Boycott 2006 ... A Day without Immigrants" aufgerufen. Der Aufruf beinhaltet einen landesweiten Boycott und Streik - keine Arbeit, keien Schule, kein Kauf, kein Verkauf - am 1. Mai 2006. In über 60 Städten in den USA wurden mehr als 100 Mayday Aktionen angekündigt. Der Hintergrund sind zahlreiche Proteste in den letzten Wochen und Monaten gegen weitere Verschärfungen der rassistischen Gesetzgebung. Und wieder sind es vor allem die ArbeiterInnen, die Ausgebeuteten, die für ihre Rechte auf die Straße gehen. Denn in vielen Bereichen sind es gerade die EinwanderInnen, die den Wohlstand in der us-amerikanischen Gesellschaft sichern.

Die kritisierten Gesetzesvorlagen (Sensenbrenner Act / HR 4437; Specter Bill) erklären illegalisierte ImmigrantInnen zu StraftäterInnen und kriminalisieren alle, die ihnen Hilfe und Unterstützung leisten. Geplant sind die verstärkte Militarisierung der US-Mexikanischen Grenze, der Bau eines 700 Meilen langen Zauns und der Ausbau von Internierungscamps. Unmittelbar sehen 11 Millionen in den USA einer Illegalisierung, Internierung und Deportation allein durch die Implementierung der HR 4437 ausgesetzt. Dagegen regt(e) sich massiver Widerstand (siehe Proteste für ImmigrantInnenrechte in den USA), doch es kam auch schon zu ersten Massenverhaftungen.

So geschehen im Rahmen der bisher größten Razzia gegen undokukmentierte ArbeiterInnen am 20. April 2006, die "Homeland Security" und lokalen Polizeibehörden parallel in 26 Bundesstaaten durchgeführten. Dabei wurden 1,187 Leute von ihren Arbeitsplätzen weg verhaftet und mindestens 275 Leute umgehend nach Mexiko deportiert. Die anderen wurden in verschiedene Internierungslager gebracht, vor denen es in der Folge zu Protesten von Angehörigen und UnterstützerInnen kam. (siehe Bericht auf indybay.org

mayday2006downtownla03.jpg

Am 1. Mai 2006 folgten mehrere Millionen Menschen in den USA und dem angrenzenden Mexiko dem Boykottaufruf für die Rechte der Migrantinnen und beteiligten sich an zahlreichen Massendemonstrationen. Allein in Chicago (700.000!), LA (450.000), San Francisco (100.000), San Jose (100.000) und New York waren zum wiederholten Mal jeweils Hunderttausende auf den Beinen. In mindestens 50 weiteren Städten demonstrierten einige Hundert bis zu Zehntausenden. In LA wurde der Hafen blockiert, landesweit wurde gestreikt. Viele Geschäfte blieben geschlossen. Somit wurden am 1. Mai die seit einigen Wochen anhaltenden Massenproteste gegen die Verschärfungen der rassistischen Gesetzgebung erfolgreich fortgesetzt. Siehe dazu auch den Bericht: May Day in den USA: Streik für ImmigrantInnenrechte und das US Indymedia May Day 2006 Archive.

mayday2006la_immigrationisnotacrime.jpg

Radikale Stimmen

Eine Kritik sei an diesen Protesten jedoch angebracht: Die massenhafte Präsenz der Flagge der USA spielt auf partiotische Werte und Zugehörigkeit an, wie sich z.B. in Sprüchen wie "We work hard for this country to make it stronger" oder "we fight in a war for a country that hate us" ausdrückt. Diese Slogans kritisieren die US-Wirtschaft, die auf die Ausbeutungen von ImmigrantInnen aufbaut und von ihnen profitiert. Illegalisierte Menschen erledigen seit Jahren Arbeiten im niedrigen Lohnsektor zu Gehältern, die weit unter dem Mindestlohn liegen. Undokumentierte ArbeiterInnen sind bequeme und preiswerte ArbeitnehmerInnen, da sie auf legale Rechte verzichten müssen und keine politische Stimme haben, sie sind durch ihren prekären und illegalisierten Status politisch entmachtet. Aus dieser Perspektive scheint es legitim, die Partizipation an politischen wie sozialen Rechten zu fordern, jedoch erscheint es mir mehr als fraglich, ob gerade über die Beschwörung nationaler Symbole und Identitäten, die eben für diese Unterdrückung stehen, diese Ziele auch erreicht werden können. Der Bericht Proteste für ImmigrantInnenrechte in den USA setzt sich mit der Protestbewegung auseinander und kritisiert die Vereinnahmung und Kanalisierung dieser durch die Einbindung institutionalisierter Kräfte in die Kundgebungen. Denn es hat den Anschein, dass diese versuchen, die Massen zu beruhigen, um konzessionswilligen Kräften ein paar Brocken hinzuwerfen und radikale Stimmen und Forderungen zu ersticken.

Radikale Stimmen fordern eben eine Überwindung nationalstaatlicher Grenzen! Und darauf zielen auch die Euromayday Paraden, die seit einigen Jahren in Europa statt finden. Im Blickfeld steht nicht die traditionelle Organisierung "der ArbeiterInnen", sondern das Prekariat: Denn der Neoliberalismus ist seit zwei Jahrzehnten zuallererst ein System der Prekarisierung von Arbeit und der Auflösung von gewerkschaftlicher Organisierung. Dieser Prozess hat für die Mehrheit vor allem der arbeitenden Frauen, Jugendlichen und MigrantInnen eine prekäre, von grundlegenden sozialen Rechten beraubte Existenzform nach sich gezogen.

Im Rahmen der Euromayday Proteste geht es also vor allem auch um Organisierung und die Erkämpfung der sozialen Rechte für alle Menschen! Denn nur so wird der zunehmende Globalisierung des Kapitalismus etwas entgegengesetzt werden können. Denn während die Grenzen für Güter und Dienstleistungen zunehmend abgeschafft werden, werden immer mehr Grenzen errichtet, die Menshen voneinander trennen und aussperren. Und genau diese Grenzen gilt es nierderzureissen!

mayday2006downtownla02.jpg

Der 1. Mai 2006 in Venezuela

Auch in Venezuela sind am 1. Mai 2006 zehntausende Menschen auf die Straße gegangen. In der Hauptstadt Caracas zogen AnhängerInnen und GegnerInnen der Bolivarischen Revolution unter der Regierung des linken Präsidenten Hugo Chávez in zwei Demonstrationen durch die Stadt und auch in anderen Städten wie Mérida und Maracaibo blieben die Straßen nicht leer. Mehr dazu im umfassenden Bericht mit Fotos.

mayday2006vernezuela.jpg

Weitere Informationen: Features zum 1. Mai 2006 auf at.indymedia.org | ch.indymedia.org | de.indymedia.org | Texte zur Geschichte des 1. Mai auf anarchismus.at | 1. Mai bei wikipedia | US Indymedia May Day 2006 Archive | deletetheborder.org | Übersicht May Day Proteste weltweit | euromayday.org | euromayday in Wien

mayday2006ausderreihetanzen.jpg
 
 

Home Page

Calendar

No events for this day.

view calendar week
add an event

www.indymedia.org

africa
ambazonia
nigeria
south africa

canada
alberta
hamilton
maritimes
montreal
ontario
ottawa
quebec
thunder bay
vancouver
victoria
windsor

east asia
japan
taiwan

europe
andorra
athens
austria
barcelona
belgium
belgrade
bristol
cyprus
estrecho / madiaq
euskal herria
galiza
germany
hungary
ireland
istanbul
italy
lille
madrid
nantes
netherlands
nice
norway
paris
poland
portugal
prague
russia
sweden
switzerland
thessaloniki
united kingdom
west vlaanderen

latin america
argentina
bolivia
brasil
chiapas
chile
colombia
ecuador
mexico
peru
puerto rico
qollasuyu
rosario
sonora
tijuana
uruguay

oceania
adelaide
aotearoa
brisbane
jakarta
melbourne
perth
sydney

south asia
india
mumbai

united states
arizona
arkansas
atlanta
austin
baltimore
boston
buffalo
chicago
cleveland
danbury, ct
dc
hawaii
houston
idaho
ithaca
la
madison
maine
michigan
milwaukee
minneapolis/st. paul
new jersey
new mexico
new orleans
north carolina
north texas
ny capital
nyc
oklahoma
philadelphia
pittsburgh
portland
richmond
rochester
rocky mountain
rogue valley
san diego
san francisco bay area
santa cruz, ca
seattle
st louis
tallahassee-red hills
tennessee
urbana-champaign
utah
vermont
western mass

west asia
beirut
israel
palestine

[process]
discussion
fbi/legal updates
indymedia faq
mailing lists
process & imc docs
tech
volunteer

[projects]
climate
print
radio
satellite tv
video

This site made manifest by dadaIMC software