Eine Einladung des KSV (Kommunistischer StudentenInnenverband) an Jürgen Elsässers mit seinem Vortrag "Imperialismus und Djihad" an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät in Salzburg am 1. Dezember 2006 gibt zu denken.
Die Ausgabe 47/06 der Wochenzeitung 'Jungle World' berichtete über die dubiosen Publikationsorte Elsässers in rechts bis rechtsextremen Medien und seiner diskriminierenden Aussage gegenüber Schwulen. Letzteres gab er am 19. Oktober 06 in der deutschen Tageszeitung 'junge Welt' zum Besten, dort zu lesen war: "Mit Staatsknete wird Multikulti, Gendermainstreaming und die schwule Subkultur gefördert, während die Proleten auf Hartz IV gesetzt werden und sich oft auch keine Kita, kein Schwimmbad und keine warme Wohnung mehr leisten können."
Die PDS-Politikerin Petra Pau nahm dazu heftig Stellung: "Was empfiehlt Elsässer letztlich? Klassenkampf für Hetero-Deutsche. Ich finde: Das ist nicht links, das ist originär rechts. Eine Partei, wie sie nach meiner Lesart Elsässer vorschwebt, gibt es schon. Sie heißt NPD."
Weiters erfährt die LeserIn des Artikels, dass Jürgen Elsässer dem französischen rechtsextremen Blatt "Le Choc du mois", in der unter anderem kontinuierlich Holocaustleugner, wie etwa Robert Faurisson publizieren, ein Interview gegeben hat und dieses auch in der Juli/August-Ausgabe unter dem Titel "Comment le djihad est arrivé en Europe" veröffentlich wurde. Selbiger Titel findet sich übrigens auch in der französischen Übersetzung seines gleichnamigen Buchs "Wie der Dschihad nach Europa kam - Gotteskrieger und Geheimdienste auf dem Balkan".
Elsässer erwidert in einer Gegendarstellung zu diesem Vorwurf in der Internetpostille '08/15-info - die news hinter der news', er habe das Gespräch, neben zahlreichen anderen, während einer Buchmesse in Genf gegeben, wo er von der rechtsextremen Zeitung "aufs Glatteis geführt" worden wäre. Nun das mag stimmen, doch stellt sich vielmehr die Frage, warum ein rechtsextremes Blatt Interesse an einem Interview mit Jürgen Elsässer haben kann und selbiges als Aufhänger ihrer Zeitungsausgabe beworben wird.
Aber nicht nur in rechtsextremen französischen Medien finden sich Artikel Elsässers, auch die rechtsgerichtete schweizerische Wochenzeitung 'Zeit-Fragen', einem Nachfolgeprodukt der offiziell aufgelösten rechten Politsekte "Verein zur Förderung der psychologischen Menschenkenntnis (VFM) [1]", publiziert Elsässers Texte. Diesem Vorwurf entgegnet er platt mit der Behauptung, "die schweizerische Wochenzeitung sei kein rechtes und schon gar kein rechtsradikales Blatt." Dem ist aber nicht so, denn sowohl Erika Vögeli, Chefredakteurin der 'Zeit-Fragen', vormals VPM-Vizepräsidentin, als auch Günter Rohrmoser, Ordinarius für Sozialphilosophie an der Universität Stuttgart-Hohenheim und bekannter Feuilletonist und Interviewpartner der Zeitung, der schon mal eine Laudatio der rechtsextremen Wochenzeitung 'Jungen Freiheit' erhält, wechselten das Publikationsorgan.
"Einen regelrechten Artikelaustausch scheinen die Periodika 'Zeit-Fragen', das 'Deutschland-Magazin' und die 'Junge Freiheit' zu betreiben. So erschien in der September-Ausgabe 1996 von 'Zeit-Fragen' ein Artikel, der zuvor im 'Deutschland-Magazin' erstveröffentlicht wurde. Ein anderer 'Zeit-Fragen'-Artikel wurde in der 'Jungen Freiheit' erstveröffentlicht.", wissen Martin Dietzsch und Anton Maegerle in dem Artikel 'Politisierende Psycho-Sekten von Rechts', erschienen im DISS-Verlag, über die Zeitung 'Zeit-Fragen' zu berichten. Auch ließen sich regelmäßig Werbung für VPM-Veranstaltungen in 'Zeit-Fragen' finden, die folgerichtig vorwiegend Themen behandelt, die direkt oder indirekt mit VPM zu tun haben und die ebenfalls wie der VPM der europäischen Arbeitsgemeinschaft 'Mut zu Ethik' [2] angehört. Deren Sitz befindet sich im schweizerischen Zürich und ist identisch mit der dortigen VPM-Anschrift, die sich 2002 aufgelöst haben soll. 'Mut zur Ethik' veranstaltet vor allem Kongresse, den letzten diesen September in Feldkirch/Ö, und ladet sich dazu unter anderem so prominente Rechtsextreme, wie den Chefredakteur Dieter Stein der 'Jungen Freiheit' ein. Auf der Homepage der 'Zeit-Fragen' findet sich ein Link auf die "befreundete Organisation" 'Mut zur Ethik', daneben ebenso rechts stehende Organisationen wie der 'Verein Jugend ohne Drogen', dessen Anti-Drogen-Initiative in einer Volksabstimmung im September 1997 durchgefallen ist oder die 'AIDS-Aufklärung Schweiz', die gegen die 'LOVE LIFE STOP AIDS-Kampagne' des Bundesamts für Gesundheit (BAG) wettert, da ihr Focus lediglich auf die Benützung des Kondoms liege, den „aktiven Schutz“ einer treuen Zweierbeziehung aber außer acht lassen und vielmehr durch ihre „pornographischen Darstellungen“ zu einer Verbreitung von AIDS beitragen würde. Im Übrigen stehen die beiden zuletzt genannten Organisationen in engem Kontakt zur VPM und werden ständig mit Artikeln in den 'Zeit-Fragen' beworben.
Elsässer unternimmt in seiner Gegendarstellung weiter einen mehr als peinlichen Versuch den Angriff auf seine Person abzuwehren, indem er angibt, die Anschuldigungen seien eine "Vendetta" der 'Jungle World', die er mit seinem Rauswurf aus der JW in Verbindung bringt und preist sich selbst als einer, der "den linken Idealen treu geblieben ist". Auch bleibt Elsässer eine Entschuldigung in Richtung Homosexueller schuldig, denn mit keinem Wort bezieht er sich in seiner Stellungnahme auf seine diskriminierende Äußerung in der 'jungen Welt'.
Auf dem Aushang selbst, der auf die Veranstaltung des KSV hinweisen soll, finden sich folgende Zeilen Elsässers: "Deswegen hat der Antiislamismus den Antisemitismus als wichtigste Haßideologie des Imperialismus abgelöst. Von der jüdischen Weltverschwörung reden nur noch rückständige Irre; im Mainstream von Politik und Medien hat sich statt dessen die islamistische Weltverschwörung als neue Wahnideologie etabliert". Dies ist schlicht eine Verharmlosung, verneint sehenden Auges die Präsenz des Antisemitismus und reiht sich dabei selbst in die Argumentationslogik der Antisemiten ein. Der aktuelle ZARA-Rassismusreport, der in Österreich stattfindende rassistische Übergriffe dokumentiert, registrierte zum Beispiel allein für das Jahr 2005 143 antisemitische Vorfälle.
Was will uns Elsässer mit dem Zusatz unter dem Headliner der Veranstaltung sagen, der da lautet: "Vom "Kampf der Kulturen" zum 3. Weltkrieg"? Einerseits lehnt er zu Recht den Begriff "Kampf der Kulturen" ab, indem er im Aushangstext von "phantasierenden Neocons" spricht, die eine "einheitliche Front von der sunnitischen Taliban und schiitischen Persern, [...usw.]" halluzinieren. Andererseits aber stellt er gerade in seinem Buch "Wie der Dschihad nach Europa kam - Gotteskrieger und Geheimdienste auf dem Balkan" dar, dass es den Konflikt zwischen diesen scheinbaren Einheiten gibt. Der logische Überbau dazu ist jener, dass die USA und im weiteren Sinne Europa ein informelles Abkommen mit militanten Islamisten hätten und sie so einen "Kampf der Kulturen" inszenieren würden, um ihre Vormachtstellung durch Installierung westlich loyaler Personen in eingenommenen Territorien sichern und die Ausbeutung der Ressourcen im Nahen Osten weiter voran treiben zu können. Laut einer Buchrezension der TAZ sind aber gerade die angegebenen Quellen, die diese vermeintliche "westlich-islamischen Waffenbrüderschaft" aufdecken könnten, mehr als fragwürdig. So beruft sich Elsässer neben seriösen Veröffentlichungen des UN-Kriegsverbrechertribunals auf Texte des Belgrader Verlagshaus Politika, einer der medialen Hauptstützen des Milosevic-Regimes, dem Spiegel-Buch zum Thema und die eher unkonventionellen Werke von Andreas von Bülow und Mathias Bröckers, der schon mal gerne in seinen Büchern über Verschwörungstheorien und ob Pflanzen träumen können schwadroniert.
[1] Während die Sekte in ihrer Anfangszeit selbst eher im linken Milieu zu verorten war und sich antiklerikal gebärdete, vollzog sie unter Frau Bucholz-Kaiser eine schroffe politische Neuorientierung. Verbreitet werden jetzt Heilslehren vom besseren Leben, Sauberkeit und Ordnung sowie ein elitäres Menschenbild. Vertreten wird von den Kämpfern wider alles Linke eine restriktive Drogen- und AIDS-Politik. Geführt wird ein fanatischer Kampf gegen angeblich linksextremistisch unterwanderte Kirchen, Medien, Schulen und andere gesellschaftliche Institutionen. Kritik an ihren Praktiken vergleichen die VPM-Jünger - ebenso wie die Scientologen - mit der Diffamierung der Juden, durch die der Holocaust vorbereitet wurde. Kritiker werden von dem Verein aufs schärfste verfolgt.
[2] Für Veranstaltungen der "Europäischen Arbeitsgemeinschaft 'Mut zur Ethik'" wird regelmäßig in ultrarechten bzw. rechtsklerikalen Blättern wie "Criticon", "Das Ostpreußenblatt", "Kirche heute", "Deutschland Magazin", "Transparenz der Medien" (Herausgeber: "Bürger fragen Journalisten e.V."), den Informationen des "Arbeitskreises christlicher Publizisten" und der Tageszeitung FAZ per Anzeige geworben bzw. berichtet. Unterstützt wurden VPM-Kongresse auch schon durch das unionsnahe "Studienzentrum Weikersheim" (SZW), eine deutschnationale Kaderschmiede. [Detail am Rande: Als Mitglieder dieser Arbeitsgemeinschaft 'Mut zur Ethik' lassen sich auch österreichische Organisationen wie die radikalen Abtreibungsgegner "Plattform Ärzte für das Leben" und "Pro Vita - Bewegung für Menschenrecht auf Leben", deren erklärtes Ziel die Gründung einer neuen ultrarechten, fundamentalistisch-christlichen Partei ist, finden.]